Die Deutsche Wortbildung

Liebe Studierende, liebe Leserinnen und Leser, das vorliegende Skriptum ist als Lehrmittel für die Einführung in die Wortbildungslehre konzipiert. Hier handelt es sich um eine vereinfachte Fassung – die Autorin wird sich aber sehr darüber freuen, wenn Sie sich weiterhin für die deutsche Wortbildung interessieren und die gewonnenen Erkenntnisse vertiefen werden. Dazu dient Ihnen das anliegende Bibliographieverzeichnis. Viel Spaβ beim Lernen wünscht Ihnen Jana Valdrová.

Die deutsche Wortbildung: Inhalt

  1. Die Wortbildung als Lehre
  2. Morpheme
  3. Wortbildungs- und Worterwerbsarten im Überblick
    1. Die Wortbildung
      1. Die Komposition
      2. Die Derivation
        1. Die explizite Derivation mit Affixen
        2. Die explizite Derivation mit Affixoiden
        3. Wortgruppenderivate
        4. Die Stammderivation
      3. Die Wortkreuzung
    2. Der Worterwerb
      1. Die Konversion und Zusammenrückung
      2. Die Kürzung
        1. Abkürzungen
        2. Kurzwörter
      3. Die Entlehnung
  4. Bibliographie

Die Wortbildung als Lehre

Die Wortbildungslehre ist eines der Kernfächer bei dem Germanistikstudium. Der Terminus Wortbildung bezeichnet:

  • eine sprachwissenschaftliche Disziplin, die untersucht, wie Wörter gebildet werden;
  • den Prozess der Produktion von Wörtern („Zeichenkombinationen“, Fleischer/Barz 1995, 1);
  • das Wort als Endprodukt dieses Prozesses.

Das Wort: ein Stück Wirklichkeit

Eine der meistzitierten Definitionen des Wortes hat viel mit dem Denken zu tun. Nach dem deutschen Sprachwissenschaftler Walter Porzig (1895-1961) ist das Wort eine „Lautung, die die Fähigkeit hat, ein Stück Wirklichkeit zu meinen“. Das Wort kann aus mehreren Sichtweisen angesehen werden. So können wir z. B. in der Wikipedia, der heute wohl beliebtesten Enzyklopädie, eine Übersicht von verschiedenen Kriterien finden, nach denen das Wort definiert werden kann.

Uns interessiert das Wort aus der Sicht der Wortbildung. Das Wort ist eine sprachliche Einheit, die in kleinere Teile (Morpheme) zerlegt werden kann oder – dies gilt vor allem bei einsilbigen Wörtern – nicht mehr zerlegbar ist (ein Wort = ein Morphem). Wenn wir die Struktur eines Wortes verstehen und begreifen, wie die Morpheme interagieren, können wir sehr effizient Wortschatz lernen und aktiv Wörter bilden.

Lexem und Okkasionalismus

Lexem nennen wir die Ausgangsform eines Wortes, z. B. den Infinitiv sein und nicht die 3. Pers. Sg. bin). Das Lexem ist im Sprachsystem (langue) lexikalisiert und wird mit ihren Varianten (z. B. sind, war) im Sprachgebrauch (parole) realisiert.

Beim Deutschlernen stoβen wir immer wieder auf Wörter, die nicht in Wörterbüchern stehen. Dann handelt sich in der Regel um Okkasionalismen, auch Ad-hoc-Bildungen genannt. Ein Okkasionalismus wird für einen konkreten Kontext gebildet. Im Sprachgebrauch entstehen Unmengen von Okkasionalismen.

Durch die Wortbildung kann „aus etwa 10 000 lexikalischen Grundelementen eine praktisch unbegrenzte Menge Lexeme gebildet werden“ (Schläfer 2009:19). Eine Einschätzung, welches Wort ein Okkasionalismus sein könnte, erspart uns Zeit beim Suchen im Wörterbuch. Seine Zerlegung in Morpheme sagt uns dessen Bedeutung an. Nachdem wir z. B. richtig eingeschätzt haben, dass das Wort Kindeswohl ein Okkasionalismus (eine okkasionelle Zusammensetzung) sein müsste, suchen wir das Wort im Wörterbuch nicht unter K, sondern unter W.

Wann entstehen neue Wörter?

Neue Wörter werden gebildet, wenn – einfach gesagt – der Bedarf da ist. Dazu kommt es aus einigen Gründen:

  • neues Ding → neues Wort: es besteht Bedarf an Bezeichnungen für neue Tatsachen, Erscheinungen, Dinge (z. B. Handy = ein Telefongerät, das in der Hand gehalten wird).
  • „alte“ Bezeichnungen eignen sich aus irgendeinem Grund nicht mehr: sie werden als veraltet, politisch inkorrekt, nicht präzise empfunden. Manchmal ist selbst die Verdichtung einer Aussage das Ziel: ein neues Wort macht die Aussage kürzer, prägnanter;
  • z. B. um eine Aussage zusammenzufassen oder eine Sache unter einem besonderen Aspekt zu charakterisieren, wird ein neues Wort gelegentlich (okkasionell) gebildet; daher heisst es auch Okkasionalismus.

DaF-Lernende brauchen Wortbildungskenntnisse, um a) die Texte besser zu verstehen, indem sie die Struktur und die Verbindung der Wörter begriffen haben, b) um selber Wörter zu bilden.

Wie kommen FremdsprachlerInnen dazu, Wörter zu bilden?

Die Wortbildung bezeichnet eine rezeptive und eine produktive Kompetenz. Die rezeptive Kompetenz bedeutet, Produkte der Wortbildung zu verstehen – vor allem Okkasionalismen und Wörter, deren Stämme wir in einer anderen Form kennen: dass z. B. das Wort Zucht von züchten, und züchten wiederum von ziehen kommt; Überschwemmung wurde von schwemmen gebildet, und schwemmen ist ein modifiziertes schwimmen. Das erleichtert uns das Begreifen der Zusammenhänge; das Lernen wird effizienter.

Die Wortbildung als produktive Kompetenz können DaF-Lernende erlernen; allerdings brauchen sie einen theoretischen Hintergrund dazu. Oder, wie der kleine Leo, einen intensiven Kontakt mit der deutschsprachigen Umgebung:

Zugfahrt von München nach Augsburg. Der dreieinhalbjährige Leo bewundert ein Meerschweinchen auf dem Schoβ einer Mitreisenden. Die Frau sagt, dass sie das Tierchen auf Reisen immer mitnimmt. Leo ruft: „Ein Reisemeerschweinchen!“.

In der Fachsprache ausgedrückt: Leo bildet einen Okkasionalismus. Durch die Wortbildung hat er seine Gedanken im Sprachgebrauch verbalisiert. Die Wortbildungskompetenz macht die Rede prägnanter, der Umgang mit dem Wortschatz wird kreativer. Wer an der Kommunikation beteiligt ist, begegnet immer wieder Situationen, wo ein spontan gebildetes Wort eine intensivere Wirkung als die übliche Benennung hat. Es lohnt sich, sich damit im Fremdsprachenunterricht zu beschäftigen. Denn…

„Ganz allgemein gesprochen (…), benutzen wir Sprache, um die Welt kognitiv zu erfassen (z. B., indem wir uns die Erfahrungen anderer sprachlich aneignen, die Welt uns und anderen beschreiben), aber auch, um sie zu verändern, neue Situationen (Bedingungen, Konstellationen, Lagen) zu schaffen. Sprachlich bringen wir andere dazu, etwas zu tun oder zu lassen, Handlungen auszuführen, Einstellungen zu übernehmen, Absichten zu ändern.“ (Bublitz 2001, 23-24.)

 

Wie kann das Wörterbuch bei der Wortbildung behilflich sein?

Ausser einem zweisprachigen Übersetzungswörterbuch verwenden DaF-Lernende auch ein einsprachiges Lernwörterbuch. Ein gutes Wörterbuch ist ein solches, mit Hilfe dessen wir den Wortschatz einer Fremdsprache „knacken“, produzieren und gebrauchen lernen. In Lernwörterbüchern stehen daher Angaben zur Wortbildung. Die Beispiele nehmen wir aus dem GWDaF (Groβwörterbuch Langenscheidt), das am meisten Informationen zur Wortbidung gibt. Dazu gehören:

  1. Angaben darüber, an welcher Stelle sich das jeweilige Wort bzw. Morphem mit anderen Wörtern oder Morphemen verbindet, um ein neues Wort zu bilden. Schauen wir uns das Wort Export1 im Groβwörterbuch Langenscheidt (2003) an:
    Ex·port1 der-(e)s, -e;

    1 nur Sg; die Lieferung von Waren in ein anderes Land È Ausfuhr ” Import <den Export erhöhen, fördern, drosseln, verringern>: Die Wirtschaft Japans ist auf den Export angewiesenDer Export von Kohle und Stahl nimmt immer mehr ab

    || K-: Exportartikel, Exportauftrag, Exportgeschäft, Exporthandel, Exportware

    2 meist Pl; exportierte Waren È Ausfuhren ” Importe

    || -K: Getreideexport, Waffenexport

    || zu 1 Ex·por·teur der-s, -e

    Die Angabe K- oder -K sagt, dass das Wort in einem Kompositum auftreten kann, und macht (auch anhand von Beispielen) deutlich, an welcher Stelle eines Kompositums das zu ergänzende Wort steht. Diese Komposita, die bekannt sind (z. B., weil sie Internationalismen sind), können zugleich als Modelle genommen werden, nach denen Okkasionalismen gebildet werden: Exportgewinn etc.

  2. Angaben über Wortbildungselemente, die bei der Bildung neuer Wörter verwendet werden. Sie stehen als selbsständige Stichwörter, z. B. ent-, ver-, -heit, -zeug. Dahinter steht die Angabe über ihre Bedeutung, ihre Bildungsart und über ihre Produktivität: sehr produktiv, begrenzt produktiv usw. Schauen wir uns nun das Suffix -tum an:

    -tum das; -s, -tü·mer; im Subst, sehr produktiv;

    1 nur Sg; verwendet, um einen Zustand zu bezeichnen; Analphabetentum, Außenseitertum, Draufgängertum, Heldentum

    2 nur Sg, Kollekt; verwendet als Sammelbegriff für die im ersten Wortteil genannten Personen; Bauerntum, Bürgertum, Christentum, Judentum, Rittertum

    3 verwendet als Bezeichnung für das Reich des im ersten Wortteil Genannten; Fürstentum, Herzogtum, Scheichtum

    Die Angabe sehr produktiv ermuntert uns zur Wortbildung. Ganz leicht geht es zwar nicht: manche Wörter werden nicht einfach automatisch mit dem Suffix versehen, sondern es steht noch ein Morphem (ein Interfix) zwischen den Stamm und dem Suffix: Held/en/tum, Bauer/n/tum, Analphabet/en/tum. So können wir hier ein Wortbildungsmodell identifizieren: bei Held, Bauer, Analphabet werden Pluralformen mit -en gebildet; das -en erscheint im Interfix.

  3. Angaben über Wortbildungsmodelle. So lesen wir z. B. bei be- Folgendes:

    be- im Verb, unbetont und nicht trennbar, sehr produktiv; Die Verben mit be- werden nach folgendem Muster gebildet: bejubeln – bejubelte – bejubelt

    1 be- wird verwendet, um aus einem intransitiv verwendbaren Verb ein transitives Verb zu machen; etwas beantworten: Sie beantwortete die Frage È Sie antwortete auf die Frage ebenso: jemanden/etwas bedrohen, etwas befahren, jemanden/etwas begaffen, etwas begehen, jemanden/etwas begucken, etwas bejammern, etwas bejubeln, jemanden/etwas bekämpfen, jemanden/etwas belauschen, etwas beleuchten, etwas bemalen, jemanden/etwas beschießen, etwas beschreiben, jemanden beschwindeln, jemanden/etwas besiegen, jemanden/etwas bestaunen, jemanden/etwas beurteilen, jemanden/etwas beweinen, etwas bewohnen, etwas bezweifeln

    2 be- + transitiv verwendbares Verb ermöglicht eine Änderung der Perspektive beim Akkusativobjekt; etwas (mit etwas) belegen: Sie belegte das Brot mit Wurstscheiben È Sie legte Wurstscheiben auf das Brot jemanden bestehlen: Er bestahl die alte Frau È Er stahl etwas von der alten Frau jemanden beerben: Er beerbte seine Großmutter È Er erbte etwas von seiner Großmutter ebenso: jemanden/etwas (mit etwas) bedecken, etwas (mit etwas) bedrucken, jemanden/etwas (mit etwas) begießen, jemanden/etwas (mit etwas) behängen, etwas (mit etwas) bekleben, jemanden/sich/etwas (mit etwas) bekleckern, etwas (mit etwas) bekritzeln, etwas (mit etwas) beladen, jemanden/etwas (mit etwas) beliefern, jemanden berauben, jemanden (mit etwas) beschenken, etwas (mit etwas) beschmieren, etwas (mit etwas) besticken, jemanden/etwas (mit etwas) bewerfen

    3 be- wird verwendet, um aus einem Substantiv ein transitives Verb zu machen und auszudrücken, dass man jemandem/etwas etwas gibt; benoten: Der Lehrer benotete die Aufsätze der Schüler È Der Lehrer gab jedem Aufsatz eine Note ebenso: etwas bebildern, etwas beflaggen, etwas/sich beflecken, etwas befrieden, jemanden (zu etwas) beglückwünschen, etwas begrenzen, jemanden/etwas begutachten, jemanden beherbergen, jemanden bemitleiden, jemanden benachrichtigen, einen Vogel beringen, jemanden beschatten, etwas beschriften, jemanden besolden, jemanden beurlauben, jemanden bevollmächtigen, jemanden bewaffnen

    4 be- wird verwendet, um aus einem Adjektiv ein transitives Verb zu machen und auszudrücken, dass man bewirkt, dass jemand/etwas in einen bestimmten Zustand kommt; jemanden/ein Tier befreien: Sie befreite den Vogel aus seinem Käfig È Sie ließ den Vogel aus dem Käfig, sodass er frei war ebenso: etwas (mit etwas) befeuchten, jemanden belustigen, sich bereichern, jemanden/sich beruhigen, jemanden/sich beunruhigen

Das Beispiel macht klar, wie eng die Beziehung zwischen der Wortbedeutung, -bildung und der Syntax sein kann. Eine Beschreibung der Wortbildungsmodelle in Lernwörterbüchern hilft uns, danach neue Wörter zu bilden.

Wie kreativ „darf“ man bei der Wortbildung sein?

Der Mensch lernt nicht eigentlich die Sprache, sondern er lernt, in einer Sprache schöpferisch tätig zu werden, meinen Wellmann und Chomsky in Wellmann 1995, 400. Das betrifft vor allem okkasionelle Bildungen, die zum Teil sogar Idiolekte charakterisieren. Im Allgemeinen  hätte jedes Wort sein „Recht auf Existenz“, wenn es a) nach den Prinzipien der deutschen Wortbildung richtig gebildet und b) verständlich wäre.

Inwiefern diese Regel in der Sprachpraxis applizierbar ist, macht Heringer (2000) am Beispiel mit Substantiven auf -heit/-keit deutlich: diese zwei Suffixe konkurrieren einander bei der Bildung von Abstrakta wie Fähigkeit, Wirklichkeit, Freiheit, Schönheit, aber nicht unsystematisch. So verbinden sich z. B. Wörter auf -ig, -sam, -bar mit –keit. Das Suffix –heit kommt zwar in der Regel nach einer einsilbigen Basis vor: Weisheit, aber es gibt auch Gewissheit. Und es gibt sogar Dubletten wie Bitterkeit/Bitterheit, bemerkt Heringer. Für ausschlaggebend für die Kreativität bei der Wortbildung hält Heringer die Blockierung:

„Die Grundidee der Blockierung ist, dass wir Wörter nicht bilden, deren Platz schon besetzt ist. Wenn wir schon Bitterkeit, Bequemlichkeit haben, brauchen wir Bitterheit, Bequemheit nicht. Wenn wir schon Leere, Dieb haben, brauchen wir Leerheit, Stehler nicht.“ (Heringer 2000, 83ff.)

„In der Kommunikation ist aber das reziproke Wissen das Maβ aller Dinge. Blockiert wird nur, was dem Produzenten bekannt ist“, meint Heringer und plädiert dafür, bei Kindern und Lernern ein Auge zudrücken: „Wir nehmen an, dass sie den Blocker nicht kennen“.

Zu den oben angeführten Regeln a) und b) können wir also noch eine c) hinzufügen: ihr Recht auf Existenz haben die Wörter, die mehr als bloβe Dubletten sind.

Wortbildung und andere sprachwissenschaftlichen Disziplinen

Die Wortbildung ist diejenige linguistische Disziplin, die erläutert, wie der Wortschatz aufgebaut und strukturiert ist und wo Raum für eigene Kreativität besteht. Die Wortbildung dringt auch durch andere Sprachwissenschaften durch:

  • Wortbildung und Grammatik: ob ein Wort ein Substantiv, Adjektiv etc. ist, wird durch die Wortbildung bestimmt. DaF-Lernende machen sich bewusst, dass z. B. manche grammatische Formen mit Hilfe von Wortbildungselementen gebildet werden, z. B. Rat > Ratschläge, Fachmann/Fachfrau > Fachleute etc.
  • Wortbildung und Syntax: Wortbildungsprodukte sind Alternativen von syntaktischen Fügungen, in der Regel Verdichtungen der Aussage: krisensicherer Job < ein Job, der auch in der Zeit der Krise gefragt wird; Schwarzfahrer < jemand, der ohne gültige Fahrkarte fährt.
  • Wortbildung und Lexikologie: die Wortbildung ist ein Mittel der Erweiterung des Wortschatzes. Allerdings werden nicht alle Wörter lexikalisiert; viele bleiben „auβerhalb der Wörterbücher“ als Okkasionalismen.
  • Wortbildung und Semantik: Es gibt zwar ein Zusammenhang zwischen lexikalischer Bedeutung, Motivationsbedeutung und Wortbildungsbedeutung, aber keine Indetität. So bezeichnet das Wort Blaubeere eine Waldfrucht; motiviert ist die Bezeichnung durch die blaue Farbe der Früchte und es geht um ein Kompositum aus Blau– und –beere (Barz et al. 2002: 46).

Wortbildung und Orthographie: die Wortschreibung richtet sich nach den Regeln der deutschen Rechtschreibung vom Jahr 1998. Die Schreibweise eines jeweiligen Wortes können wir im Wörterbuch nachschlagen; „bei okkasionellen (…) Bildungen, die in keinem Wörterbuch zu finden sind, müssen Schreibende ihr (…) intuitives Wortbildungswissen aktivieren (Barz et al., 2002: 73).

Wortbildung vs. Wortschöpfung

Bei der Wortbildung werden neue Wörter aus Wortvorhandenen Bildungselementen (bekannten „Bausteinen“) gebildet. Bei der Wortschöpfung (auch: Urschöpfung) entstehen neue Wortstämme. Dies passiert aber in den heutigen modernen Sprachen nicht mehr, berichten Fleischer / Barz (1992: 6) und zitieren Naumann, Erben etc. dazu. Sogar seien Onomatopoetica wie Wauwau oder Töfftöff (Motorrad) keine Erfindungen von Kindern, sondern „Wörter der Ammensprache“ (ebda).

Derselbe Laut wird allerdings von Menschen unterschiedlicher Sprachen unterschiedlich wahrgenommen. Die onomatopoetische Bezeichnung für Geld im Deutschen ist Pinke oder Pinkepinke; im Tschechischen haben wir titi, tititi, titiny, tintilinti, tintivinti, tintirinti, tintilivantili usw.

Der Hahn „macht“ kikeriki auf Deutsch, kukareku auf Russisch, cocorico auf Französisch, chicchirichi auf Italienisch, kikirikí auf Tschechisch, cook-a-doodle-do auf Englisch (mehr zu Onomatopoetica Metzler Lexikon Sprache 2005: 458).

Morpheme

Das Morphem ist der kleinste Bestandteil eines Wortes; wir können es nicht mehr weiter zerlegen. Hatten Sie mal einen Baukasten? Dann können Sie sich die Morpheme wie unterschiedlich große oder kleine Bausteine vorstellen:

Foto http://brain.pan.e-merchant.com/

Morpheme haben verschiedene Fuktionen, die durch Wort- und/oder Satzanalyse festzustellen sind (s. mehr dazu unten). Die Morpheme, die erst analysiert und identifiziert werden müssen, nennen sich Morphe.

Um eine besonders intensive Liebesbeziehung abzubilden, erweiterte Ch. Morgenstern (1871-1914) einige Wörter in seinem Gedicht um die Elemente -(e)st-, -chen, –lein, -e, -che und -s:

Lieb ohne Worte

Mich erfüllt Liebestoben zu dir!
Ich bin deinst
als ob einst
vereinigst.

Sei du meinst!
Komm Liebchenstche zu mir –
ich vergehste sonst
sehnsuchstgepeinigst.

Achst, achst, schwachst schwachst arms Wortleinstche, was? —
Genug denn, auch du, auch du liebsest.
Fühls, fühls ganzst ohne Worte: sei Meinstlein!
Ich sehne dich sprachlosestest.

Nun bleibt es nur übrig, die Funktion dieser Elemente im Wort (und im Text) zu bestimmen. Welche von den Morphen haben eine wortbildende Funktion? Welche sind eigentlich keine Morphe, weil sie zum Wortstamm gehören und können nicht davon getrennt werden? Welche können Sie nicht identifizieren, weil sie nur ein Ausdruck der „dichterischen Lizenz“ sind?

Klassifikation und Funktion der Morpheme

Es gibt Morpheme, die selbständig stehen können – die sog. freien Morpheme. Andere stehen nur fest gebunden in einem Wort. Wenn wir die Morpheme und ihre Funktionen unterscheiden können, verstehen wir die Wörter besser und können auch selbst Wörter bilden.

Jedes Morphem hat eine Funktion:

  1. das Grundmorphem bildet eine Grund für die Entstehung neuer Wörter;
  2. das Wortbildungsmorphem und Konfix modeliert / präzisiert die Bedeutung;
  3. die Fuge (das Interfix) verbindet zwei Morpheme;
  4. das Flexem drückt die jeweilige grammatische Kategorie aus.
  1. Grund-, Stamm- oder Basismorpheme (alle Bezeichnungen werden verwendet) sind freie Morpheme. Manchmal sind sie mit dem Wort völlig identisch: Zeit, Haus, blau, echt, komm. So ein Wort nennt sich Simplexwort.
  2. Wortbildungmorpheme sind gebundene Morpheme. Dazu gehören
    • Affixe (Präfixe und Suffixe). Mit einem Präfix modellieren wir die Bedeutung: z. B.aussteigen, einsteigenAusgang, Eingang. Mit einem Suffix können wir dasselbe tun:geistlich ist etwas anderes als geistig. Ausserdem zeigt das Suffix in der Regel an, zu welcher Wortart das Wort gehört: Freundschaft, freundlich.
    • Affixoide (Präfixoide und Suffixoide). Bestimmte Grundmorpheme treten mehr oder weniger als Bestandteile von anderen Wörtern auf. Dann wird ihre Bedeutung „entleert“ und sie funktionieren wie die Affixe: –oid– bedeutet, dass die Affixoide den Affixen ähneln. Z. B. ist das Suffixoid –frei in bleifrei oder koffeinfrei formal kein vollständiges Wort mehr, sondern es dient dem Ziel, ein Wort zu bilden.
  3. Fugen wie -(e)r-, -(e)s-, -(e)n- etc. sind gebundene Morpheme, denn sie stehen zwischen zwei anderen Morphemen, um sie zu verbinden, z. B. in dem Wort Landesstraße oder Kindergarten.
  4. Flexionsmorpheme sind gebundene Morpheme, die sich verändern, wenn wir das Wort deklinieren oder konjugieren. Mit den Flex(ionsmorph)emen können wir keine neuen Bedeutungen bilden. Deswegen stehen sie am Rande unserer Aufmerksamkeit. Die Flexion und ihre Paradigmen sind das Hauptgegenstand der Morphologie.

In einem Wort können wir weitere spezifische Morpheme finden:

  • Konfixe: „fremde“ Morpheme, die aus dem Griechischen, seltener aus anderen Sprachen kommen: geo-, psycho-, poly-, mikro-, thermo-, -theke, -graph, -nom u.a. Sie können als Grundmorpheme oder Wortbildungmorpheme auftreten. Zwei Konfixe können sogar ein Wort bilden: Telefon, Mikroskop.
  • Unikale Morpheme sind diejenigen, die sehr selten vorkommen; manchmal kennen wir sie nur von einem Wort, wie das Morphem Him– in Himbeere. Sie gehören zu den ältesten Einheiten der Sprache und erscheinen in keinen neuen Wörtern. Manchmal verstehen wir sie nicht, wie Himbeere oder Samstag; dann lohnt es sich, die Bedeutung im etymologischen Wörterbuch nachzuschlagen.
  • Allomorphe: verschiedene Varianten desselben Morphems. Eine Rekordmenge von Varianten weist z. B. das Morphem sprech aus: sprach – sprech – sprich – sproch – spruch – spräch – sprüch.

Ein Exkurs in die Vielfalt der Morpheme

Lassen Sie uns an dieser Stelle einen kleinen Exkurs machen, der an das unmittelbar vorangehende sprech-Beispiel anknüpft – bei sprech- haben wir insgesamt 7 Formen aufgezählt. Manchmal wechseln nicht nur Vokale, sondern auch Konsonanten. Der Lautwechsel ist in der Fachliteratur unter zwei Begriffen Umlaut und Ablaut zu finden.

Morpheme können ihre Form unter zweierlei Umständen ändern:

a) bei der Deklination, Komparation und Konjugation, dann handelt sich aber nicht um die Wortbildung;

b) bei der Wortbildung, d. h. wenn neue Wörter entstehen.

Zu a) gehören Fälle wie Haus – Häuser;  singen – sang – gesungen;  alt – älter usw. Bei b) gibt es ein begrenztes, historisch entstandenes Instrumentarium von Allomorphen, mit deren Hilfe neue Wörter gebildet werden können. Die meisten Fälle sind Substantive, die von unregelmäβigen Verben gebildet wurden. Einige sind sekundäre Simplexwörter, andere sind Wortbildungsprodukte mit mehreren Morphemen. Dazu ein paar Beispiele (in Klammern steht das Ausgangswort):

  • Band, Bund (binden); Griff (greifen), Begriff (begreifen); Abschied (scheiden); Schritt (schreiten); Flug (fliegen);  Fluβ (flieβen); Wurf (werfen); Schluss (schlieβen); Zug (ziehen);
  • Sprachhistorisch komplizierte Fälle: Brand (brennen); Ankunft (ankommen);  Tracht (tragen);  Schrift (schreiben); Gift (geben).

Die Struktur eines Wortes kann wie folgt sein:

  • Ein Wort = ein Morphem, z. B. Haus, Garten, Luft, Blume, Schnee. Wir nennen sie Simplexwörter.
  • Ein Wort = ein Morphem, z. B. Flug, Gang, Rat. Allerdings wurde das Wort von einem anderen Morphem abgeleitet: Flug von flieg-, Zug von zieh-, Schnitt von schneid-, Rat von rat–  usw. Später begegnen wir dieser Wortbildungsart unter Bezeichnungen Stammderivation oder Konversion. Das Wortbildungsprodukt wird dann als  sekundäres Simplexwort bezeichnet.
  • Andere Wörter sind Wortbildungsprodukte aus mehreren Morphemen. Eine übliche Struktur ist Präfix + Grundmorphem + Suffix. Bei Zusammensetzungen treten mehrere Grundmorpheme nebeneinander auf (z. B. Haus/tür). Viele Wörter haben ein Präfix und ein Grundmorphem (z. B. Ein/gang), andere haben ein Grundmorphem und zwei Suffixe (z. B. Stud/ent/in)usw.

Ganz selten passiert, dass ein Wort kein Grundmorphem enthällt, wie z. B. dieses (GWDaF 2008):

miss·lich Adj; nicht adv; nicht sehr angenehm oder erfreulich <eine Lage, eine Situation, Verhältnisse>

|| hierzu Miss·lich·keit die

Die Zerlegung eines Wortes in Morpheme hilft uns immer die Bedeutung zu entziffern. Auch das Bild zeigt anschaulich, wie man durch das enge Tor in Würzburg fahren soll:

Foto JV, Würzburg 2009

Übung 1

Anna Frei hat 21 Tiere zu Hause – Mäuse, Ratten und Meerschweinchen. „Ich würde meine Tiere im Urlaub auf keinen Fall in eine Tierpension geben“, sagt sie. Da sie eine große Familie hat, findet sie immer eine Person, die sich um die Tiere kümmert.

  • Markieren Sie die Grundmorpheme im Text. (Fokussieren Sie dabei auf die Substantive, Adjektive, Verben und Adverbien.) Wie viele Grundmorpheme haben Sie gefunden?
  • Wählen Sie eines von Grundmorphem und bilden Sie damit ein neues Wort, das nicht im Text steht.
  • Suchen Sie Wörter mit zwei Grundmorphemen im Text.
  • Gibt es Wortbildungsmorpheme (Suffixe) im Text, die für ein bestimmtes Genus des Substantivs (z. B. für das Femininum oder für das Neutrum) signifikant sind?

Markieren Sie die Flexeme. In einem Fall äussert sich die Flexion nicht nur in der Endung, sondern es tritt noch ein Zeichen hinzu. Welches? Wie nennt sich so eine Morphemvariante?

Übung 2

Lesen Sie bitte weiter, wo drei Punkte stehen. Wie wäre das in  anderen Sprachen?

Deutsch sein schwäre Sprach!

In des Waldes tiefen Gründen
ist kein Räuber mehr zu finden.

Französisch: In des Waldion tiefion Gründion…
Polnisch: In des Waldski tiefski Gründski…
Tschechisch: In des Waldtscheck tieftscheck Gründtscheck…
Russisch: In des Waldewitsch tiefewitsch Gründewitsch…
Chinesisch: In des Waldtsching tieftsching Gründtsching…
Japanisch: In des Waldoheio tiefoheio Gründoheio…
Lateinisch: In des Waldibus tiefibus Gründibus…
Usw.

Übung 3

Geben Sie das Wort urig im Internet ein und schätzen Sie seine Bedeutung ein. Schreiben Sie dann einige Sätze mit urig (mit Quellenangabe) aus dem Internet aus. Überprüfen Sie Ihre Einschätzung der Bedeutung im Wörterbuch nach.

Übung 4

Ein Gartenverein in Oberschöneberg (Bayern) lädt zur Party ein:

Bestimmen Sie die Morpheme in dem Wort Rose/n/mon/tag/s/kaffee/kränz/chen näher:

  • Welche sind die Grundmorpheme?
  • Welches von den Grundmorphemen kennen Sie wahrscheinlich nicht? Es handelt sich um ein unikales Morphem! Gibt es unikale Morpheme auch in anderen Wochentags-Bezeichnungen?
  • Welches Morphem ist ein Allomorph?
  • Welches von den 8 Morphemen ist ein Wortbildungsmorphem?
  • Wo steht die Fuge?

Wortbildungs- und Worterwerbsarten im Überblick

Zur Wortschatzerweiterung kommt es im Prinzip durch

Wortbildung = neue Wörter werden aus kleineren „Bausteinen“ – Morphemen und Wörtern gebildet;

Worterwerb = vorhandene Wörter treten in einer neuen, abgeänderten Form, die manchmal mit dem Übergang zu einer anderen Wortart verbunden ist. Neue Wörter können auch aus einer Fremdsprache entlehnt werden. So werden neue lexikalische Inhalte nicht gebildet, sondern „erworben“; es geht also um Worterwerb.

Auf diesem Wege kommt es auch zum Bedeutungswandel und zur Bedeutungserweiterung. Es sind eigentlich auch Möglichkeiten, neue Benennungenzu gewinnen. Dabei entsteht aber kein neues Wort, sondern die neue Bedeutung aus schon bekannten Wörtern. Dann geht es nicht um die Wortbildung, sondern um die Gewinnung von Lexemem.

Solche Fälle werden in der Lexikologie behandelt. Die Wortbildung wird so durch andere Möglichkeiten, den Wortschatz zu erweitern, ergänzt. Das Deutsche ist eine Sprache mit sehr vielen Möglichkeiten der Wortbildung.

Die Wortbildung

Aus vorhandenen  Morphemen werden neue Wörter gebildet. Ganz selten kommt es zur Wortschöpfung aus neuen, vorher unbekannten Morphemen. Zu den Wortbildungsarten gehören primär:

Die Komposition

Ein Wort wird aus zwei oder mehreren Komponenten zusammengesetzt, z. B. Rosenmontag. Es gibt einige Arten von Komposita, an die im Kapitel Komposition näher herangegangen wird.

Die Derivation

Die explizite Derivation:
Es kommt zur Erweiterung der bestehenden Basis durch Affixe, bzw. Affixoide, z. B. Ein-lad-ung, wetter-fest.

Die Wortgruppenderivation:
aus einer Wortgruppe, z. B. schwarz fahren, wird ein Wort mit einem Suffix: Schwarzfahrer. In der Regel sind die Wortgruppenderivate mit einem Satz (hier: Jemand fährt schwarz) gut paraphrasierbar.

Die implizite Derivation (Stammderivation):
eine Derivation mit Stammwechsel. Dies ist eine historische Äusserung, die in der Gegenwart nicht mehr vorkommt. Durch eine solche Derivation entstanden Substantive aus Verben als Produkte des Geschehens: Sprung (< springen), Sicht (< sehen).

An einem Wort sind manchmal mehrere Wortbildungsverfahren zu identifizieren: Das Wort Ansichtskarte entstand wie folgt: sehen > Sicht > Ansicht > Ansicht + Karte = Ansichtskarte.

Bei dem Wort bisschen war das auch nicht einfach: von beiβen wurde Biss abgeleitet, dann wurde der Biss durch das Suffix –chen zum Deminutivum (Verkleinerung)  bisschen, und aus dem Substantiv wurde schlieβlich ein Adverb.

Die Wortkreuzung
Zwei Wörter „kreuzen sich“ und es entsteht ein neues Wort, an dem beide Bedeutungen ablesbar sind: Infotainment (= Information + Entertainment, Vermittlung von Nachrichten auf eine unterhaltsame Weise). Das neue Wort kann länger, oder aber auch kürzer als das ursprüngliche Wort sein.

Manchmal sind beide Teile nicht auf den ersten Blick verständlich, z. B. bei brunch < breakfest + lunch. Diese englische Bildung wurde dann in andere Sprachen entlehnt. Dann hilft unser sprachliches und soziales Wissen, die Bedeutungen zu entziffern.

Wortkreuzung im Werbeblatt der Austrian Arlines (2009).

Der Worterwerb

Dazu gehören folgende Worterwerbsarten:

Konversion:
dieselben Wörter werden anders, in eine andere Position (durch Kon-Version) versetzt und bekommen so die Morphologie einer anderen Wortart.

Kürzung:
ein oder mehrere Wörter werden gekürzt; manchmal wird dann die Kürzung häufiger verwendet als die ungekürzte Form (z. B. www).

Entlehnung:
Nach dem Lexikon der Sprachwissenschaft (Buβmann 1990, 213) handelt es sich dabei um die „Übernahme eines sprachlichen Ausdrucks aus einer Fremdsprache in die Muttersprache, meist in solchen Fällen, in denen es in der eigenen Sprache keine Bezeichnung für neu entstandenen Sachen bzw. Sachverhalte gibt“. Beispiele: Job, Firma, Paparazzi, Konto, software,  downloaden, Computer, Scanner…

Die Aufteilung der Wortbildungsarten bzw. -typen ist in der gesamten Fachliteratur ziemlich uneinheitlich.  Fleischer/Barz (1992, 44ff.) beschreiben 5 Wortbildungsarten; darunter die  Wortbildungskonstruktionen mit UK-Struktur (Komposition, explizite Derivation, Wortkreuzung und Reduplikation), Konversion, implizite Derivation, Rückbildung und Kurzwortbildung. Erben (2000, 58ff.) legt Wert auf die synchronische und diachronische Aufteilung der Wortbildungsarten. Wellmann (1995, 408ff.) sieht als drei (weiter zu gliedernde) Hauptarten die Ausdruckskürzung, die Umsetzung in eine andere Wortart und die Ausdruckserweiterung an. Altmann/Kemmerling (2000, 29ff.) führen insgesamt 14 Wortbildungstypen an; einer davon ist z. B. die Steigerungsbildung (z. B. topaktuell, überglücklich), die in Arbeiten anderer AutorInnen unter Verstärkungskomposita zu finden ist. Lohde (2006, 35ff.) unterscheidet Wortbildungsarten mit Konstituentenstruktur (Komposition, explizite Derivation, Reduplikation, Wortkreuzung) und ohne sie (Konversion, implizite Derivation, Kurzwörter). Heringer (2009, 89ff.) reduziert die Anzahl der Wortbildungstypen drastisch auf die Komposition, Derivation und Kurzwortbildung.

Die Komposition

Die Komposition ist eine sehr produktive Wortbildungsart. Komposita können auf verschiedene Weisen geschrieben werden:

  • als ein Wort geschrieben – die üblichste Weise: Stadtrundfahrt;
  • mit Bindestrich: Insel-Hotel;
  • mit groβen Buchstaben mitten im Wort: EuroCity;
  • alle Teile getrennt geschrieben: Kräuter Schampoo, Hydro Creme Dusche;
  • …oder sie können sogar in Form von Ikonogrammen auftreten:

Foto: JV, Flughafen Budapest, September 2009

Wie das Foto unten zeigt, kommt es manchmal auch auf die Trennung der einzelnen Komponenten an: bei dem Nikolaikirchhof wissen wir nicht, ob es sich um einen Kirchhof handelt, der den Namen Nikolai trägt, oder um den Hof der Nikolaikirche:

Foto: HW, Leipzig 2009. (Das Letztgenannte stimmt.)

Komposita können auch aus mehreren Teilen bestehen: Die beiden sind ein Paar > Die beiden sind ein Ehepaar > Die beiden sind ein Traumehepaar. Manchmal entstehen lange Zusammensetzungen, die auch Mammutbildungen oder Rattenschwanzbildungen genannt werden:

  • Autofokusspiegelreflexkamera
  • Auslandslektorenvorbereitungstagung
  • Arbeitsförderungsgesetznovellierung
  • Drehstromkurzschluβläufermotor

Kurzohrrüsselspringer, auch Elephantenrüsselspringmaus genannt. In: www.google.com, April 2010

Akzent als bedeutungsbestimmender Faktor

Besonders bei mehrgliedrigen Komposita ist die richtige Aussprache sehr wichtig. Wichtig, ja sogar manchmal bedeutungsbestimmend ist, den Wortakzent richtig festzulegen und das Wort dann richtig auszusprechen. So kann z. Z. eine Osterbrunnenfahrt einmal bedeuten, dass man zu einem Brunnen fährt,  der Osterbrunnen heisst – dann ist es die Osterbrunnenfahrt. Wenn der Akzent auf dem zweiten Wort liegt, dann handelt sich um eine Osternfahrt zum Brunnen: Osterbrunnenfahrt.

  • Was ist ein Holzeierbecher? Ist es ein hölzerner Becher für Eier, d. h. Holzeierbecher, oder ein Becher für hölzerne Eier, also ein Holzeierbecher?
  • Und Riesengrillbratwurst: Ist es eine Wurst, die auf einem riesigen Grill gebraten wurde, oder geht es um eine riesige Grillbratwurst?

Komposita nach ihrer Wortart

Komposita treten zumeist als substantivische Benennungen von Menschen (Reiseleiter), Tieren (Meerschweinchen), Pflanzen (Seerose), Sachen (Fachbuch), Erscheinungen und Prozessen (Wirtschaftskrise, Vulkanasche) auf. Dazu kommen adjektivische Komposita (hundemüde, wunderschön) und Komposita, deren Zweitglied (das Grundwort) ein Partizip ist (sonnenstrapaziertes Haar, umweltschonende Haushaltsgeräte) und substantivierte zusammengesetzte Adjektive und Partizipien (die Alleinerziehende, der Neugeborene, die Schwerkranke). Bei verbalen Komposita (hinausfahren, heimkehren, dasein, rechtfertigen) tritt ein für DaF-Lernende etwas schwieriges Problem mit der Konjugation dazu: während ein nominales Kompositum bei der Deklination seine Form nie ändert, wird das verbale Kompositum bei der Konjugation mal getrennt (sie kehrt heim), mal bleibt es beisamen (die Qualität rechtfertigt den hohen Preis). Die richtige Form müssen wir immer wieder im Wörterbuch nachschlagen.

Paraphrasierung der Bedeutung

Wiener U-Bahn, 2009.

Komposita sind eigentlich verdichtete Aussagen. Ihre Bedeutung kann in Wortverbindungen paraphrasiert werden. Bei dem oben genannten Nikolaikirchhof war die Paraphrasierung ein wenig kompliziert; ohne die Ortskenntnis hätten wir kaum urteilen können. Bei dem Kompositum auf dem Schild in der Wiener U-Bahn ist es allerdings klar: Fahrtreppenbenutzungshinweise = Hinweise zur Benutzung der Fahrtreppe.

Auf welche möglichen Weisen das Bestimmungs- und das Grundwort eines Kompositums miteinander verbunden sein können, zeigt Wellmann (1995, 47) am Beispiel einiger Komposita mit –reise:

  • Österreichreise: eine Reise durch/in/nach Österreich (Ort oder Richtung);
  • Osterreise / Tagesreise: man reist zu Ostern / einen Tag lang (temporal: Zeitpunkt, Dauer);
  • Schiffsreise: man reist mit dem Schiff (instrumental);
  • Vergnügungsreise: man reist zum Vergnügen (final);
  • Gesellschaftsreise: man reist in Gesellschaft (modal);
  • Geschäftsreise: man reist wegen der Geschäfte (kausal);
  • Hochzeitsreise: man reist anläβlich seiner Hochzeit (konditional).

Die Arten der Komposita

Komposita können in folgende Gruppen gegliedert werden:

  • Determinativkompositum (DK) ist der häufigste Typ des Kompositums.  Es setzt sich aus dem determinierenden Wort, d. h. dem Bestimmungswort, und dem Grundwort zusammen. Das Bestimmungswort bringt eine nähere Information  über das Grundwort, z. B. Feldweg (der Weg durch ein Feld; wir können fragen Was für ein Weg? Welcher Weg?). Der Stadtname Baden-Baden ist ein Determinativkompositum: das Bestimmungswort signalisiert, dass es gerade um die Stadt im Bundesland Baden-Württemberg  handelt.
  • DK mit Bedeutungsübertragung: die Bedeutung liegt „ausserhalb“ des Kompositums; die wörtliche Übersetzung ergibt noch nicht den Sinn. Diese Komposita können nicht, im Unterschied zu den ertsgenannten, in eine Konstruktion oder einen Satz umformuliert werden: der Seehund ist doch kein Hund, der im See lebt, sondern – …? Der  Marmorkuchen ist ja kein Kuchen aus Marmor, sondern …? Das Wort ist lexikalisiert; Sie finden es im Wörterbuch. Seine Bedeutung ist nicht wörtlich, sondern metaphorisch ausgedrückt (Löwenzahn, Lampenfieber), oder es wird das Ganze mit einem Teil bezeichnet (Langfinger, Dummkopf).
  • Verstärkungskompositum: die Wirkung des Wortes wird durch ein anderes verstärkt: himmelblaue Augen, es war stockdunkel.
  • Reduplikation: die Basis des Kompositum bilden zwei gleiche oder ähnliche Morpheme nebeneinander. Bei einfachen Doppelungen bleiben die Morpheme unverändert: jaja, Tomtom (Fahrzeugnavigationssystem). Durch die Wiederholung wird die Verstärkung der Bedeutung erreicht, wobei es zum Lautwechsel kommen kann: Hat Jennifer Aniston Techtelmechtel mit Orland Bloom?[1] Manchmal reimen sich die Morpheme: Hokuspokus, Techtelmechtel, oder sie treten mit Stammvokalwechsel auf: Pingpong, Mischmasch, Pit-Pat (eine Art Freizeitsport).
  • Kopulativkompositum verbindet zwei oder mehrere Begriffe dergleichen Rangordnung. Es handelt sich immer um dieselbe Wortart (Adjektiv + Adjektiv, Substantiv + Substantiv etc.) und dieselbe semantische Klasse (Farbe, Land, Sache, Kleidungsstück etc.): schwarzweiβ (schwarz + weiβ), süβsauer, Garmisch-Partenkirchen, Tschechoslowakei, Uhrwecker. Die Beispiele zeigen unter Anderem, dass diese Komposita in der Regel eine stabilisierte Reihenordnung  ihrer  Komponenten aufweisen: so sagen wir und schreiben schwarzweiβ und nicht weiβschwarz, Ga-Pa (Garmisch-Partenkirchen) und nicht Pa-Ga. In einigen Fällen ist es schwierig zu erkennen, ob es sich um ein Kopulativ- oder ein Determinativkompositum handelt: was ist eigentlich der Hosenrock? Ist es eine Hose + ein Rock oder ist es ein „hosenartiger“ Rock? Den Schneeregen können die einen als Schnee + Regen beschreiben; die anderen könnten meinen, dass es sich um eine Art Regen handelt. Oder: wie viele Farben kann ich am blaugrünen Tuch sehen? Hat das Grün einen blauen Unterton oder handelt es sich um zwei Farben?
  • Verdunkeltes Kompositum: entweder sind die einzelnen Teile fast gar nicht mehr zu erkennen, wie bei heute (hiu tagu), oder man kann die Morpheme nur schwierig voneinander trennen, z. B. Samstag (was heisst sams-?), Hebamme (Heb- + amme). Oft haben wir dabei mit unikalen Morphemen (Kap. 1) als Bestandteilen dieser Komposita zu tun. Verdunkelte Komposita gehören zu den ältesten Einheiten der Sprache und ihre Bedeutung schlagen wir in etymologischen Wörterbüchern nach, wie z. B. beim Imker (Bienenzüchter):

Verzweigung des Kompositums

Bei Kopulativkomposita haben wir mit Aneinanderreihung von Komponenten zu tun, z. B. rot + blau + weiss = rotblauweiss, Schleswig + Holstein = Schleswig-Holstein, Fürst + Bischof = Fürstbischof. Bei Determinativkomposita spielen aber innere Hierarchien der einzelnen Komponenten eine Rolle. Die Verzweigung eines (Determinativ)Kompositums zu verstehen heisst seine Struktur zu verstehen; es ist notwendig, um das Kompositum richtig zu übersetzen. Ein Kompositum kann linksverzweigt, rechtsverzweigt oder beidseitig verzweigt sein:

Der Kurzohrrüsselspringer ist komplizierter: innerhalb des (Determinativ)Kompositums steht ein Kopulativkompositum:

Aufgabe 1

Unterscheiden Sie die Komposita nach ihrer Art:

  • Reismehl in eine  Schüssel geben und mit soviel Wasser glattrühren, daß ein flüssiger Teig entsteht.
  • Durch mein Korsett bekomme ich eine schöne schlanke Wespentaille
  • Bücher, Kosmetik, Elektro und Schnickschnack… hier gibt es wirklich lauter Schnickschnack und Krimskrams.
  • Du bist heute wieder eine richtige Nervensäge.
  • Ja, und im Jahre 1994 wurde die Tschechoslowakei in zwei Staaten aufgeteilt.

Aufgabe 2

Auf der Speisekarte fehlen Wörter. Ergänzen Sie sie: -senf, -knödel-, -öl, -suppe, -käse, -sulz, Salat-, -würstel, Brat-, Sauer-, Blatt-, Balsamico-, Frittaten-, Puten-. Passen Sie bitte dabei auf, dass die Speisen auch noch schmecken!

Aufgabe 3

Übersetzen Sie bitte die Komposita ins Tschechische. Welche Typen von  Konstruktionen entsprechen den deutschen Zusammensetzungen am häufigsten?

Luftverschmutzung und Klimaerwärmung stören Monsun. Luftverschmutzung und Klimaerwärmung können die Stabilität von Monsunsystemen gefährden und damit die Landwirtschaft in vielen Ländern schädigen. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Aufgabe 4

Welchen Pilz würden Sie essen?

  • Fuβpilz, Fliegenpilz, Steinpilz, Schimmelpilz, Atompilz, Glückspilz.

Welches Blatt ist grün und wächst?

  • Schulterblatt, Sägeblatt, Notenblatt, Buchenblatt, Flugblatt, Weinblatt, Kleeblatt.

In welchem Bett möchten Sie schlafen?

  • Wasserbett, Fluβbett, Nagelbett, Ehebett.

Auf welchem Bein kann man nicht stehen?

Eisbein, Nasenbein, Tischbein, Schlüsselbein, Elfenbein, X-Bein, Holzbein.

Aufgabe 5

Bilden Sie einen Begriff

Eine Prognose für die Konjunktur die Konjunkturprognose
Die Lage der Wirtschaft
Die Suche nach einer Stelle
Die Prüfung zum Meister
Die Bedingungen für eine Zahlung
Die Kosten für den Transport

Aufgabe 6

Schätzen Sie zuerst einmal ein, soweit es geht, wonach Wochentage benannt sind: Montag, Dienstag… usw. Testen Sie dann Ihre Einschätzung im etymologischen Wörterbuch.

Aufgabe 7

Ist auf dem Foto ein Seebär, Seehund oder Seelöwe? Sieht das Tier etwa aus wie ein Bär, ein Löwe oder ein Hund? Suchen Sie bitte Bilder zu allen hier genannten Tieren im Internet auf. Wie heissen die drei genannten Tiere in Ihrer Muttersprache?

Die Derivation

Wenn der Wortstamm (das Basismorphem) durch andere Morpheme erweitert wird, nennen wir dies explizite Derivation oder explizite Ableitung. Ein Sonderfall ist dann die implizite Derivation eines Wortstammes von dem ursprünglichen Wortstamm (nehm- > nimm / nahm / nomm-), ohne weitere Affixe. Es gibt also folgende Fälle:

  • das Wort wird durch Affixe erweitert;
  • das Wort wird durch Affixoide erweitert;
  • eine Wortgruppe wird durch Affixe erweitert;
  • durch inneren Lautwechsel entsteht ein Wortstamm (heute nicht mehr produktiv)

Die explizite Derivation mit Affixen

Affixe (Präfixe und Suffixe) und ihre Funktion im Wort

Zu Präfixen gehören Morpheme wie be-, ent-, an-, aus-, ein-, über-, mit-, vor-, durch- und viele andere; zu Suffixen gehören beispielsweise -er, -in, -e, -ei, -schaft, -lich u.a.

Bei Heringer (2000, S. 106) ist eine Tabelle der meistfrekventierten Affixe zu finden: zu den häufigsten nativen Präfixen gehören ver- (ca. 35 % aller Präfixe), be- (24 %), un- (17 %), er- (13 %), ent- (9 %). Unter den Suffixen sind es nach Heringer -er (21 %), -ung (20 %), -ig (5 %), -keit (3 %) und -isch (3 %). Die explizite Ableitung ist im Allgemeinen eine sehr produktive Wortbildungsart. Zum Inventar der Affixe führt Knaur´s Deutsche Grammatik (1997, S. 38-39) einige Zahlen an, die andeuten, wie vielfältig die Derivation sein kann:

  • 38 Präfixe und 73 Suffixe zur Wortbildung der Substantive;
  • 37 Präfixe und 27 Suffixe zur Wortbildung der Adjektive;
  • 36  Präfixe und 6 Suffixe zur Wortbildung der Verben;
  • 13 Suffixe zur Wortbildung der Adverbien.

Affixe haben ihre spezifischen Funktionen:

  • Präfixe modifizieren und ändern die Bedeutung des Wortes: ein Buch können wir lesen, aber auch anlesen, durchlesen, verlesen, auslesen. Die Sonne sehen wir morgens aufgehen und abends  untergehen.Der Begriff Präfix wird unterschiedlich verwendet. Das hängt damit zusammen, dass viele Präfixe als Lexeme auftreten: Wörter wie ab, an, aus, bei, mit, unter, über, um usw. stehen  in Wörterbüchern. Von verschiedenen AutorInnen werden sie als Präfixe bzw. Partikel, Verbzusätze, Partikel oder Adverbien oder auch als Halbpräfixe eingestuft (Höhle, Naumann, Erben in Fleischer/Barz, 1992, 29ff., Wellmann 1995, 449ff.).In dem vorliegenden Buch wird der Morphemstatus der Präfixe nicht problematisiert. Aus der DaF-Perspektive ist entscheidend, welche Rolle sie bei der Wortbildung spielen: sie treten als Wortbildungselemente auf . Deswegen können sie, ähnlich wie die u. g. Prä- und Suffixoide, mit Recht als Wortbildungsmorpheme klasifiziert werden (vgl. dazu Lohde 2006, 40ff.). Eine evtl. Gliederung in verbale und nichtverbale Präfixe (z. B. um-/Um- in umgehen und Umweg) ist aus der Sicht der Fremdsprachendidaktik und vor allem in Bezug auf Möglichkeiten, die der DaF-Unterricht bietet, überflüssig.
  • Suffixe modifizieren die Bedeutung: das Wasser kocht / das Wasser köchelt. Ein und dasselbe Wort kann unterschiedliche, bedeutungsändernde Suffixe haben:  kindlich / kindisch, heimlich / heimisch usw. Auβerdem bestimmen Suffixe die Wortart: freundlich (adjektivische Suffixe -lich, -ig, -isch etc.), Freundschaft (substantivische Suffixe -schaft, -heit, -keit, -er,-ler, -ant,  -ist, -tum, -chen und viele andere). Verbale Suffixe sind z. B. -(e)l wie in lächeln, -ig in beruhigen, –ier in telefonieren.

Affixe können in Gruppen aufgeteilt werden, die uns das Fremdsprachenlernen erleichtern, z. B. wie folgt:

  • -ant, -ent, -ist etc., -heit, -keit, -schaft etc., -chen, -lein, -tum:  Suffixe, die (bis auf Ausnahmen) ein bestimmtes Genus signalisieren;
  • be-, emp-, ent-, er-, ver-, zer-: untrennbare verbale Präfixe;
  • -chen, -lein: Suffixe für die Bildung von Verkleinerungen.

 

Die Bedeutung der Affixe ist teilweise klar oder sie ist von dem Gebrauch des Wortes ablesbar, wie z. B.:

  • ab- drückt das Trennen, Entfernen aus: abfliegen, abschneiden, abschaffen…
  • -bar drückt aus, dass etwas (nicht) getan werden kann: (un)deklinierbar, (un)fassbar…
  • ein– drückt die Richtung von auβen nach innen aus: einfüllen, einwerfen, einpacken…

In Wörterbüchern werden in der Regel Wörter gesucht; es lohnt sich allerdings, auch die Bedeutung der Affixe im Wörterbuch nachzuschlagen. So steht z. B. bei dem Präfix ent– im Langenscheidts Groβwörterbuch (2008) Folgendes:

ent- im Verb, unbetont und nicht trennbar, sehr produktiv; Die Verben mit ent- werden nach folgendem Muster gebildet: entknoten – entknotete – entknotet

1 ent- drückt aus, dass etwas von etwas weggenommen, etwas von etwas befreit wird; etwas entrußen: Der Ofen muss von Zeit zu Zeit ent·rußt werden È Der Ofen muss von Zeit zu Zeit von Ruß befreit werden ebenso: etwas enteisen, etwas entfetten, etwas entflechten, etwas entgiften, jemanden/etwas enthüllen, etwas entkernen, etwas entknoten, etwas entkorken, etwas entrosten, jemanden entwaffnen, etwas entwässern

2 ent- drückt aus, dass eine Bewegung, Handlung aus der Richtung von jemandem/etwas kommt. Die Verben mit ent-, die so gebildet werden, gehören meist der geschriebenen Sprache an; etwas entströmt (etwas (Dat)): Es wurde befürchtet, dass dem defekten Reaktor größere Mengen radioaktiven Gases entströmt seien È Es wurde befürchtet, dass aus dem defekten Reaktor größere Mengen radioaktiven Gases herausgeströmt seien ebenso: (jemandem/etwas) entfliehen, etwas entquillt etwas (Dat), etwas (Dat) entstammen, etwas (Dat) entsteigen, etwas (Dat) entspringen

3 ent- drückt aus, dass sich die Richtung einer Bewegung, Handlung von jemandem/etwas wegbewegt. Die Verben mit ent-, die so gebildet werden, gehören meist der geschriebenen Sprache an; (jemandem) enteilen: Er enteilte ihnen È Er eilte ihnen davon ebenso: (jemandem/etwas) entschweben, etwas entsinkt jemandem

Das Movierungsaffix –in als sozialsprachliches Phänomen

Einige grammatische Phänomene haben eine soziale Dimension. Sie werden dann nicht mehr „rein grammatisch“ angesehen, sondern es werden ihre Auswirkungen im Sprachgebrauch verfolgt. Seit 70er Jahren des 20. Jahrhunderts betrifft dies die Movierung – die Bildung von weiblichen bzw. männlichen Personenbenennungen.

Manchmal fühlen sich Frauen weniger willkommen als Männer, wenn sie sich um ein Stipendium oder einen Arbeitsplatz bewerben. Das Wort KollegInnen deutet an, dass sie bei der betreffenden Institution gern gesehen werden. Foto: JV, Augsburg 2010.

Durch Forschungen wurde festgestellt, dass Frauen sprachlich und auch tatsächlich marginalisiert werden, indem sie nicht direkt genannt, sondern unter den Maskulina wie Student, Lehrer, Ingenieur, Wissenschaftler u.a. „mitgemeint“ werden. In den 80.-90er Jahren wurden in allen deutschsprachigen Ländern Empfehlungen für einen nichtsexistischen Sprachgebrauch formuliert, die sich im Sprachgebrauch durchgesetzt haben.

Sätze wie „Anna ist Student“, „Wir suchen einen Ingenieur“ (statt „Anna ist Studentin“, „Wir suchen einen Ingenieur / eine Ingenieurin“) fallen auf und werden im Deutschen manchmal sogar als falsch empfunden – grammatisch ist zwar alles in Ordnung, pragmatisch sind solche Formulierungen aber nicht korrekt.

Die Problematik ist viel komplexer, als dass sie hier hätte erläutert werden können; die Movierung ist übrigens nur eines der Mittel zur sprachlichen Sichtbarmachung von Frauen. Informationen gibt es unter dem Stichwort nichtsexistischer Sprachgebrauch im Internet und in Fachbüchern.

3.1.2.2. Die explizite Derivation mit Affixoiden

Im Unterschied zu Affixen sind Affixoide Wörter, die (bis auf einige wenige Ausnahmen) als selbständige Wörter im Wörterbuch stehen. Durch das häufige Verwenden als Bestandteile anderer Wörter kam es jedoch zur Entkonkretisierung ihrer Bedeutung; auf diese Weise erfüllen sie die Funktion der Affixe.  Da sie aber keine „richtigen“ Affixe sind, nennen wir sie Affixoide. Im Wörterbuch stehen Affixoide unter ihren Ausgangsformen – Adjektiven, Adverbien, Substantiven. Präfixoide finden wir im Wörterbuch in ihrer Grundform; darunter steht die entkonkretisierte Form mit Beistrich (hinten), wie z. B. Schlüssel, Schlüssel- und andere:

  • Haupt- / Neben-: z. B. Hauptberuf, Nebenproblem;
  • Halb-: Halbmetalle;
  • Schlüssel- : Schlüsselfrage, Schlüsselwort;
  • Grund-: Grundidee, Grundmotiv, Grundregel und andere.

Affixoide, die den zweiten Teil eines Wortes bilden, heissen Suffixoide. So finden wir z. B. das Wort sicher als Adjektiv, und darunter steht –sicher. Der Beistrich (vorne) und die Angabe über die Produktivität (hier: sehr produktiv) sagt an, dass –sicher als Suffixoid verwendet wird. Anstelle des Beistrichs kommt dann die Hautpkomponente des Ausdrucks: lawinen-, frost-, krisen- usw. Besonders häufig treten im Sprachgebrauch folgende Suffixoide auf:

  • -arm, -fähig, -frei, -fertig, -fest, -freundlich, -echt, -los, -reich, -würdig;
  • -weise, -weit;
  • -gemäβ, -mäβig;
  • -macher, -träger, -zeug, -werk, -muffel.

Daher ist es wichtig, Suffixoide und ihre Funktion zu verstehen. Das Wörterbuch stellt dabei unentbehrliche Hilfe dar: erstens informiert es uns, ob das jeweilige Wort als Affixoid überhaupt verwendet wird und wie häufig (d. h. wie produktiv das Affixoid in der gegenwärtigen Sprache ist), und schlieβlich können wir im Wörterbuch nach konkreten Beispielen suchen. Wir können dann sogar solche Wörter auch bilden, wie das humorvolle Schild auf dem Foto zeigt:

Foto: JV, Berlin 2009.

Das Suffixoid –macher wird von einigen AutorInnen als Suffixoid, von anderen als Bestandteil einer Wortgruppe behandelt, z. B. Schuhmacher < Schuhe machen. Das Wortbildungsprodukt (Schuhmacher) erscheint dann als Wortgruppenderivat (siehe das jewelige Kapitel). Eine umfangreiche Arbeit mit Hunderten von Wörtern mit –macher stammt von Joeres (1995, 357 Seiten). Er vertritt die Meinung, dass –macher doch als Suffixoid zu behandeln ist: „Die Art und Häufigkeit der Verwendung von –macher als Zweitelement in den Ableitungen stellt es zu den suffixartigen Wortbildungsmitteln“ (ebda, S. 156).

Übung 1

Ebenso wie ent– können wir die Bedeutungen von vielen anderen Affixen im Wörterbuch nachschlagen. Suchen Sie Beispiele zur Verwendung der Präfixe ab-, be-, ver-, er-, zer-; der Suffixe -ig, -lich, -heit/-keit.

Übung 2

Endet das Adjektiv auf –isch, -ig oder –lich? Überprüfen Sie Ihre Einschätzung im Wörterbuch.1

Recht, Bürger, Sucht, Energie, Tod, Mund, Wort, Neugier, Haar, Mensch, Europa, Nachbar, Neid, Schimmel, Feind, Sommer, Ehe, Farbe, Alltag, Kirche, Friede, Nebel.

Übung 3

Bilden Sie Sätze mit Adjektiven auf –bar. 2

Diese Tatsache ist nicht zu bezweifeln. Dieser Termin ist nicht zu verschieben. Seine Stimme ist nicht zu verwechseln. Diese alten Lehrbücher sind nicht zu gebrauchen. Seine politische Einstellung ist nicht zu definieren.

Übung 4

Bilden Sie ein Adjektiv mit –los. Wo fällt ein -e- weg? Wo wird ein -s-, ein -n- eingefügt?3

Klage, Farbe, Freude, Hilfe, Sprache, Stimme, Arbeit, Ausdruck, Erfolg, Zusammenhang, Gefahr, Spur, Gewissen, Zweifel, Ziel, Skrupel, Name, Grenze.

Übung 5

Bilden Sie ein Adjektiv mit –voll. Wo wird ein -s- oder -n- eingefügt?4

Leid, Liebe, Qual, Geschmack, Gefühl, Sinn, Wunder, Macht, Wert, Mühe, Reiz, Glanz, Schmerz, Sorge, Sehnsucht, Rücksicht, Eindruck, Anspruch, Widerspruch, Verantwortung, Erwartung, Hochachtung, Vertrauen.

Übung 6

Sehen Sie sich die Eintragung der Ausgangsform wert und des Suffixoids –wert im GWDaF (2008) an. Vergleichen Sie sie mit Eintragungen in anderen Wörterbüchern. Suchen Sie nach weiteren Beispielen mit –wert in Wörterbüchern oder im Internet. Betrachten Sie dabei, dass Wörter mit –wert nach dem Wortbildungsmodell Infinitiv + s + -wert gebildet werden:

-wert im Adj, begrenzt produktiv; drückt aus, dass die betroffene Person/Sache es verdient, dass das im ersten Wortteil Genannte gemacht wird, oder dass es sich für andere lohnen würde, etwas zu tun; bewundernswert <Geduld; eine Leistung>, empfehlenswert <ein Buch, ein Rezept>, erwähnenswert <eine Anekdote>, lesenswert <ein Buch>, nachahmenswert <eine Tat>, sehenswert <ein Film, eine Stadt>, wissenswert <eine Tatsache>

Übung 7

Ergänzen Sie Angaben über die Produktivität zu oben genannten Suffixoiden. Nennen Sie einige Beispiele dazu, die Sie im Wörterbuch gefunden haben.

Übung 8

Formulieren Sie folgende Sätze um. Verwenden Sie die Suffixoide -mäβig, -frei, -fest, -weise, -arm, -weit, -sicher, -wert dabei. Die fettgedruckten Ausdrücke sind die Basis für neue Wörter. Beispiel: In den Alpen ist immer Schnee > Die Alpen sind schneesicher.

Diese Jacke schützt gegen Wind. Ich trinke keinen Kaffee ohne Kofein. Zederholz hilft gegen Motten. Die Gurke enthält wenig C-Vitamin. Ich verfahre in Schritten. In ganz Europa schreibt die Presse darüber. In unserer Stadt sind viele Denkmäler, die du sehen musst! Unser Zug kommt immer nach dem Plan an.

Übung 9

Unter den hier angeführten Ausdrücken gibt es einige, die keine Ableitungen mit Suffixoiden sind, sondern Komposita; d. h. beide Wortteile treten in ihrer Vollbedeutung auf. Versuchen Sie diese Komposita zu finden und begründen, warum es sich um Komposita handelt:

Projektträger, Datenträger, Gepäckträger, Möbelträger; funktionssicher, selbstsicher, kindersicher (eine Verpackung), schneesicher (ein Gebirge); geschlechtsreif, druckreif, schrottreif (ein Auto).

Übung 10

Schauen Sie sich das Stichwort –macher im GWDaF:

-ma·cher der; im Subst, sehr produktiv; 1 verwendet, um jemanden danach zu bezeichnen, was er (in seinem Beruf) produziert; Korbmacher, Filmemacher, Hutmacher, Liedermacher, Schuhmacher, Uhrmacher, Werkzeugmacher

2 verwendet, um jemanden nach der Wirkung zu bezeichnen, die sein Verhalten (bei jemandem) hat; Angstmacher, Meinungsmacher, Miesmacher, Panikmacher, Stimmungsmacher

3 verwendet, um jemanden nach etwas zu bezeichnen, das er (gern und) oft tut; Faxenmacher, Krachmacher, Krawallmacher, Possenmacher, Radaumacher, Spaßmacher, Sprüchemacher, Witzemacher

4 verwendet, um jemanden nach dem Ziel zu bezeichnen, das er anstrebt (oder erreicht hat); Geschäftemacher, Karrieremacher

5 verwendet, um etwas nach der Wirkung zu bezeichnen, die es bei jemandem/etwas hat; Dickmacher, Muntermacher, Weichmacher, Weißmacher

|| zu 1-4 -ma·che·rin die; -, -nen

Versuchen Sie nun nach diesem Wortbildungsmodell Wörter zu machen. Googeln Sie aus, ob das von Ihnen erfundene Wort existiert.

3.1.2.3. Wortgruppenderivate

Einige Wörter treten in mehr oder weniger stabilen Gruppen auf: vier Sitze (haben, ein Auto), tausend Füβe (haben, ein Insekt), Tee trinken, vier Sterne (haben, ein Hotel) etc. Aus den Wortgruppen können mit Hilfe von Suffixen Substantive oder Adjektive abgeleitet werden: Viersitzer, Tausendfüβler, Teetrinker, viersternig. Ein solches Wortbildungsprodukt nennen wir dann Wortgruppenderivat (weiterhin zu WGD abgekürzt), weil es von der Wortgruppe abgeleitet ist. Die meisten WGDs sind Substantive:

  • manche Menschen verwenden öfter die rechte Hand > sie sind Rechtshänder/-innen (dazu: Linkshänder/-innen);

  • manche Leute stehen früh auf > sie sind Frühaufsteher/-innen;

  • manche haben blaue Augen > sie sind blauäugig (ähnlich: grünäugig etc.);

  • manche haben breite Schultern > sie sind breitschultrig;

  • manche stehen in der Früh auf > sie sind Frühaufsteher/-innen;

  • einige Menschen fahren schwarz (ohne Fahrkarte) > sie sind Schwarzfahrer/-innen;

  • manche Tiere und Pflanzen „fressen“ Fleisch > sie sind Fleischfresser;

  • ein Brot enthält mehr Korn(arten) > es nennt sich Mehrkornbrot;

  • jemand macht eine Reise, die 5 Tage dauert > eine 5-tägige Reise;

  • jemand bleibt irgendwo über Nacht > er/sie übernachtet dort;

  • ein Mittel spült das Geschirr klar > es ist ein Klarspüler;

  • das Bier löscht Durst > es ist ein Durstlöscher;

  • etwas klappt auf 100 Prozent > etwas klappt hundertprozentig.

Welches von den o. g. Wortgruppenderivate wird hier dargestellt?

Repro: www.google.com, 6. 4. 2010.

Die WGD sind manchmal nur schwierig von den Komposita zu unterscheiden. Sie werden daher manchmal auch Zusammenbildungen genannt. Die Zusammenbildung deutet an, dass es sich um ein Übergangsprodukt zwischen der Ableitung und dem Kompositum handelt – Lohde (2006, 80) führt hier das Beispiel Schuhmacher an (von: Schuhe machen, vgl. aber explizite Derivation mit Suffixoid in diesem Buch!). Im Vergleich zum Kompositum ist die „Basiskomponente“ der Zusammenbildung nicht lexikalisiert – es gibt keine *Sprachler/in, *Händer/in, *prozentig, *tägig. Die Nichtlexikalisierung der Grundkomponente ist aber als Kriterium problematisch. Bei Altmann / Kemmerling (2005, 31) finden wir das Beispiel Weichpfleger: das Wort –pfleger ist lexikalisiert, allerdings nur als Personenbezeichnung, nicht als ein Mittel. Auch diese Erklärung muss nicht unbedingt ausreichend sein. Fleischer / Barz (1995, 47) meinen, auf den Begriff Zusammenbildung und die Sonderstellung der WGD kann verzichtet werden. Sie nennen sie „explizite Derivate mit einer Wortgruppe als Basis“. Wir sind derselben Meinung – vgl. unseren Terminus Wortgruppenderivat.

Nun; wie erkennen wir, dass es sich um ein WGD handelt, und wie können wir ein WGD selbst bilden? Wenn Sie sich noch einmal die oben angeführten Beispiele anschauen, stellen Sie folgende Merkmale fest:

  • das WGD, wie die Beispiele zeigen, ist nach dem Modell „jemand /etwas tut etwas“, „jemand/etwas hat etwas“ paraphrasierbar.
  • das WGD besteht aus (mindestens) drei Teilen: einer Wortgruppe und einem Suffix. Bei den Komposita ist es nicht immer der Fall;
  • die Wortgruppe, die die Basis des WGD bilden, tritt als mehr oder weniger stabile Wortgruppe auf.

Aufgabe 1

Nicht nur Frauen, auch Männer haben es schwierig! Diejenigen, die ihre Gefühle oder sogar ihre Ängste zeigen, werden Warmduscher genannt. Auf einer Webseite gibt es eine Reihe von solchen Benennungen. Paraphrasieren Sie in einem Satz, was die Bezeichnungen bedeuten, z. B. Warmduscher = er duscht warm / duscht mit warmem Wasser.5

  • Aldi-PC-Käufer, Angorawäscheträger, Automatikfahrer;

  • Bei-geschlossenem-Fenster-Autofahrer, Bierschaumwegpuster, Brusthaarrasierer;

  • Damenradfahrer;

  • Eigene-Tasse-Kaffee-Trinker, Elektrisch-Zahnbürster, Email-Archivierer;

  • Flaschenöffnerbenutzer, Flugzeuglandungsklatscher, Frauenversteher;

  • Garagentapezierer, Geschirr-am-selben-Tag-Spüler, Gesichtseincremer;

  • Hähnchen-mit-Besteck-Esser, Handy-in-der-Vorlesung-Ausschalter;

  • Im-Bett-Sockenträger;

  • Jeden-Tag-in-die-Uni-Geher, Jogurtdeckelablecker;

  • Kinoweiner, Kondombedienungsanleitungsleser;

  • Lightbier-Trinker, Luftmatratzen-Schwimmer;

  • Mülltrenner, Milchtrinker, Mit-Kuscheltier-ins-Bett-Geher;

  • Nacht-Internet-Surfer, Nicht-bei-Rot-über-die-Straβe-Geher;

  • Offlinesurfer;

  • Parkhausblinker, Pfandflaschenzurückbringer, Pittbullausweicher;

  • Süβfrühstücker, Sandalenträger, Sonnenschutzfaktor-20-Benutzer;

  • Talkshow-Gucker, Traumfrau-Sucher, Trinkgeld-Geber;

  • Vor-12Uhr-Discogänger, Vorlesung-bis-zum-Schluβ-Anhörer;

  • Warndreieckaufsteller, Wegen-jedem-Mist-Anrufer;

  • Zahnseide-Verwender, Zu-Hause-Klo-Tür-Abschlieβer, Zweimal-Spüler.

Anmerkung: Vielleicht kommt es aber gar nicht auf das Geschlecht an? Wenn wir zu den hier genannten WGD einfach das Suffix –in hinzufügen, könnten sie auch Frauen bezeichnen, oder? Haben Sie sich – ob Mann oder Frau – hier vorgefunden?

3.1.2.4. Die Stammderivation

Der Terminus Stammderivation (auch 26s teine26 Derivation/Ableitung, innere Ableitung) bezeichnet Prozesse, in denen ein abgeleiteter Verbstamm einem Substantiv zu Grunde liegt:

26s tei- > Schnitt, werf- > Wurf, spring- > Sprung, steh- > Stand, geh- > Gang, geb- > Gift, trag- > Tracht, flieg- > Flug, brenn- > Brand, seh- > Sicht usw.

In der Fachliteratur wird 26s tei Wortbildungsverfahren manchmal als eine spezifische Art Konversion (s. Kapitel Konversion) bezeichnet. Bei der Konversion müssen aber drei Bedingungen erfüllt werden. Es sind wie folgt:

  1. die Nullableitung, d. h. das neue Wortbildungsprodukt hat keine weiteren bzw. keine anderen Affixe oder Affixoide;

  2. die syntaktische Transposition des Wortes, d. h. das Wort wechselt seine Position im Satz – wird zu einem anderen Satzglied;

  3. der Wortartwechsel: so wird z. B. ein Substantiv aus einem Verb.

Insoweit entsprechen die oben genannten Beispiele wie Wurf, Sprung, Geng, Gift etc. auch den Regeln für die Konversion. Von der rezeptiven Perspektive scheinen aber die Unterschiede zwischen dem Ausgangsstamm (z. B. steh– und Stand, geb– und Gift) und dem abgeleiteten Stamm so groβ zu sein, dass es von Vorteil ist, einen Terminus zu verwenden, der den betreffenden Wortbildungsprozess genauer als die Bezeichnung Konversion trifft. Der Stammwechsel ist als das primäre Zeichen dieser Wortbildungsprodukte und ihrer Wortbildungsart zu betrachten und wird von fremdsprachigen RezipientInnen auch als die primäre Indiz dieser Wortbildungsart wahrgenommen.

Eine besondere Art Stammderivation ist die deverbale Derivation, Typ stehen – (sich) stellen, sitzen – (sich) setzen, liegen – (sich) legen. Kompliziertere Fälle sind 26s te – 26s te, schwimmen – überschwemmen, schwinden – verschwenden. Aus phonetischen Gründen (einfaches Reimen) werden Stammderivationen mit Vorliebe in Zwillingsformeln verwendet: Gift und Galle spucken (boshaft, gehässig sein), Sang und Klang (Musik), auf Schritt und Tritt (überall), mit Rat und Tat helfen, Schritt für Schritt (langsam, aber beharrlich vorgehend).6

Die Stammderivation 26s teine unproduktive Wortbildungsart. Heutzutage werden keine neuen Stämme auf diese Weise gebildet.

3.1.3. Die Wortkreuzung

Erinnern Sie sich an das Malediving? Ein Wortbildungsprodukt kann auch so entstehen, dass zwei Wörter sich „gekreuzt haben“ – Malediving ist also eine Wortkreuzung aus Malediven + diving. Wortkreuzungen (auch Kofferwörter oder Kontaminationen genannt) werden manchmal verwendet, um den Eindruck einer Einmaligkeit, Neuigkeit, eines Happennings hervorzurufen:

Foto: JV, Augsburg, 2009.

Eine Wortkreuzung aus (Land)schaft + schafft steht auf der Minipack-Butter:

Repro: JV, 2009.

Die Webseite des Filmzentrums in Landshut (2009) heisst Kinoptikum. Aus welchen „gekreuzten“ zwei Wörtern besteht das neue Wort?

In Wortkreuzung ausgedrückt, wirken sich Inhalte intensiver aus:

Foto: JV, Berlin-Hauptbahnhof, 2009.

Beispiele für die Wortkreuzung:7

  • Hier kann man günstig Kurlaub machen.

  • Die Konjunkturexperten erwarten für Deutschland keine Stagflation.

  • Christdemokraten sagen „jein“ zur Gesundheitsreform.

  • Putins Ostalgie: Russlands-Präsident empfindet ein gewisses Gefühl der Nostalgie, wenn er an die DDR denkt.

  • Was könnte man da alles verschlimmbessern?

  • Bist du ein Schokoholiker?

  • Hans-Dietrich Gentscher: Ich bin ein Wossi!

  • Wanderbares Deutschland: Der Deutsche Wanderverband präsentiert attraktive Wege, Regionen und über 1350 wanderfreundliche Gastgeber.

  • Büro(t)räume der Zukunft.8

  • Nordsee. Föhruraub: edel, fein, privat im foehrienhaus.de.9

3.2. Der Worterwerb

3.2.1. Die Konversion und Zusammenrückung

Im Unterschied zu einigen anderen Grammatiken (z. B. FLEISCHER / BARZ, 1995) fassen wir hier die Konversion einfacher auf, und zwar so: ein Wort übernimmt die Funktion eines anderen Satzgliedes und wechselt seine Stelle im Satz. Dabei ändert sich die Wortart: kommen – das Kommen; besuchen – der Besuch; tanzen – der Tanz; jung – der Junge. In einem Satz etwa so: Morgen kommen wir unsere ehemalige Deutschlehrerin besuchen. > Hoffentlich freut sie sich über unser Kommen!

Was ist hier genau passiert? Das Wort kommen ist auf eine andere Stelle im Satz verschoben worden. Eigentlich ist kein neues Wort entstanden, sondern eine „Kon-Version“, d. h. eine andere Version des ursprünglichen Wortes.

Bei der syntaktischen Transposition eines Wortes kommt es am häufigsten zur:

  • Substantivierung: aus einem Wort (einem Verb, einem Adjektiv, einer Interjektion, einem Zahlwort etc.) wird ein Substantiv. Die einfachsten Konversionen sind z. B. lachen > (das) Lachen; kuck kuck > (der) Kuckuck; wau wau > (der) Wauwau.

  • Adjektivierung: aus irgendeinem Wort wird ein Adjektiv: das ist schade; ich habe eine klasse Lehrerin; bei dir fühle ich mich geborgen; er ist pleite; wer ist schuld daran; ich habe null Bock (= keine Lust) auf etwas etc. Oft werden Partizipien zu Adjektiven:

  • Verbalisierung: das Endprodukt ist ein Verb, z. B. Film >filmen, Viertel > vierteln, Skype > skypen, Google > googeln, Fax > faxen, faul > faulen, Fisch > fischen, Frühstück > frühstücken, Röntgen > röntgen.

Durch die Konversion entstehen manchmal sekundäre (abgeleitete) Simplexwörter: spielen > (das) Spiel, hoch > (das) Hoch, loben > (das) Lob oder Worteinheiten mit zwei oder mehr Morphemen: besuchen > (der) Besuch, wiedersehen >(das) Wiedersehen. Bei der durch die Konversion gebildeten Wortbildungsprodukten müssen wir uns manchmal fragen, was sozusagen das Ei und was die Henne ist: fischen oder Fisch? spielen oder Spiel? essen oder das Essen? frühstücken oder das Frühstück?

Der Wechsel oder Wegfall von Endungen bei Konversion

Die Wörter in Wortpaaren wie besuchen – Besuch, jung – der Junge u. a. unterscheiden sich allerdings voneinander durch die Endung. Durch die Konversion kann ein Wort eine Endung gewinnen: ich googelte, habe ein Wort ausgegoogelt, gestern habe ich meinen Freund angeskypt usw. Wörter wie ausgoogeln, anskypen haben sogar auch noch ein Präfix bekommen. Eine Endung bekommen auch substantivierte Partizipien und Adjektive: behindert > die/der Behinderte;reisend > die/der Reisende; jung > (der/die/das) Junge.

Ein Wort kann durch die Konversion seine ursprünglichen Endungen verlieren: schlafen > (der) Schlaf, und die Endungen der neuen Wortart gewinnen: Während des Schlafs findet unser Körper Regeneration. Eine solche Art Konversion nennen wir Stammkonversion – im Unterschied zur Infinitivkonversion (das) Schlafen.

Sonderfälle von Konversionen

Zu Sonderfällen gehören:

  • Konversionen mit Allomorph. Das ursprüngliche Wort muss mit Umlaut versehen werden. So unterscheidet sich der Stamm des Endprodukts von dem Stamm des Ausgangswortes durch den Umlaut: Futter > füttern.

  • Konversionen mit Stammwechsel (Ablaut), wie z. B. springen >Sprung (vgl. Lohde 2006, 51ff.). Solche Fälle halten wir für Stammderivation und sie werden im entsprechenden Kapitel behandelt.

  • Zusammenrückung – s. weiter unten.

Zu Sonderfällen der Konversion werden manchmal die sog. Präfixkonversionen gezählt. Sie betreffen Verben, bei denen es die ursprüngliche Form ohne Präfix gar nicht gibt: *armen (dieses Verb existiert nicht) > umarmen; *nachten > übernachten. Da es hier um eine Konversion mit Präfix geht, was eigentlich für die Wortbildungsart Konversion ganz untypisch wäre, werden solche Fälle neuerdings als Präfixderivate bestimmt (dazu Barz 2010, 91-92). Diese Auffassung ist auch aus der DaF-Rezipientenperspektive zu bevorzugen.

Eigennamen als Konversionen

Nach berühmten Frauen und Männern wurden Dinge und Tätigkeiten benannt:

  • In den Zug nehme ich die Agatha Christie mit.

  • Hast du das Wort im Duden gefunden?

  • Wieviel Energie verbraucht eine 40 Watt Glühbirne?

  • Den ersten dreifachen Rittberger sprang Richard Button, steht in der Wikipedia.

  • Viele ehemalige DDR-Bürger wurden nach der Wende gegauckt.10

Können Sie bitte auch andere Fälle nennen?

Die Zusammenrückung als eine spezifische Art Konversion

Zur Konversion gehören auch folgende Fälle: zwei oder mehrere Wörter, die in einer syntaktischen Reihenfolge (auf einer Zeile nebeneinander) gestanden sind oder sogar eine komplete Wendung bzw. Aussage „rücken“ zusammen. So entstehen Zusammenrückungen:

  • ein und zwanzig > einundzwanzig;

  • der Zeit > derzeit;

  • dem zu Folge > demzufolge;

  • (jemand) möchte gern > (r, e) Möchtegern: in Verbindungen wie Möchtegern-Star, Möchtegern-Künstlerin (jemand möchte gern etwas werden, ist aber nicht gut genug);

  • Rühr mich nicht an > Rührmichnichtan;

  • je länger je lieber > (s) Jelängerjelieber (s. Bild unten)

Andere Beispiele (aus www.google.com, 13. 10. 2009):

  • Das Auswendiglernen spielt im Studium eine wichtige Rolle.

  • Das Vergissmeinnicht ist uns mit seinen hellblauen, kleinen Blüten aus vielen Gärten bekannt.

  • Aus dem Leben eines Taugenichts“ ist eine Novelle von Eichendorf.

  • Es ist nervig bis zum Gehtnichtmehr!

  • Sie hatte Sorgen. Infolgedessen hatte sie schlechte Laune.

  • Neunundneunzig Luftballons ist ein berühmtes Antikriegslied aus den 80er Jahren.

Durch Zusammenrückung entstanden Konjunktionen (seitdem, nachdem, indem, demnächst etc.), Präpositionen (aufgrund), Numeralia und viele andere.

Jelängerjelieber (Lonicera) in www.google.com, 20. 9. 2010.

Die Verwendung von Zusammenrückungen

Einige Zusammenrückungen klingen richtig amüsant. Es sind:

  • Benennungen von Charaktereigenschaften: Nimmersatt, Rührmichnichtan, Wendehals, Taugenichts;

  • Pflanzennamen: Immergrün, Vergissmeinnicht, Rührmichnichtan;

  • Eigennamen; einige davon sind sogar in Quellen aus dem 13.-14. Jahrhundert belegt: Springinsfeld, Dreikäsehoch, Guckindiewelt, Lebewohl, Durchdenbusch, Greifzu, Frühauf, Baldauf, Immervoll.

Analogien im Tschechischen: Brzobohatý, Přecechtěl, Nejezchleba, Vítámvás etc.

Die Zusammenrückung als Bestandteile von Komposita

Eine Zusammenrückung kann sogar Bestandteil eines Kompositums werden. Wenn jemand etwas gern möchte und es nicht kann, ist er/sie einfach nur ein Möchtegern-…: ein Möchtegern-Star, Möchtegern-Maler. Finden Sie noch andere Möchtegern-Komposita im Internet?

Um auf ihre Aktivitäten aufmerksam zu machen, lassen sich die Menschen manchmal interessante Ideen einfallen. So hat eine Schulklasse vor ihrem Abitur eine Party veranstaltet, um sich ein wenig vom Lernen zu erholen. Das Wort Können bildet das Grundwort des Kompositums, und vor ihm steht ein langes Bestimmungswort – eine Zusammenrückung mit Beistrichen zwischen den einzelnen Wörtern (Plakat an der Uni Potsdam, 1997. Foto: JV):

Aufgabe 1

Suchen Sie Konversionen in folgenden Sätzen. Bestimmen Sie die Wortart der Ausgangsform und des Wortbildungsprodukts. In einem der Sätze gibt es sogar 2 Konversionen. (Beispiele aus www.google.com, 13. 11. 2009):

  • Es gibt viele Gründe dafür, dass ein Baby mal wund ist.

  • Bin gerade am Schreiben.

  • Rexona for men: nichts bringt Sie ins Schwitzen!

  • Wie kann ich meine Eltern überzeugen?

  • Die Idee fand ich klasse.

  • Reisende können ohne ihr Wissen diese Krankheit einschleppen!

  • Hoher Besuch in Tschechien – im September kommt der Papst.

  • Ich beginne demnächst mein Germanistikstudium in Bochum.

  • Die Fachleute warnen vor zu viel Fernsehen.

  • Und hier ist mein Zuhause.

  • Das ist ein dichtbesiedeltes Gebiet.

Aufgabe 2

Stellen Sie sich die folgenden Sätze als Anfang einer Geschichte vor. Damit die Geschichte weiter erzählt werden kann, erscheint in dem (von Ihnen gebildeten) anknüpfenden Satz eine Konversion des Schlüsselwortes aus dem ersten Satz. Das jeweilige Wort wechselt seine Position im Satz, ändert seine Wortart, wird aber nicht durch neue Morpheme erweitert. Und es muss nicht immer ein substantiviertes Infinitiv sein.

Beispiel: Ich mag kochen. > Das Kochen nimmt aber viel Zeit in Anspruch, wenn es schmecken soll.

  1. Im Sommer möchte ich nach Amerika reisen.

  2. Es gibt Leute, die alles unproblematisch auswendig lernen.

  3. Meine Freundin arbeitet jeden Tag bis sechs und dann auch noch zu Hause am Computer.

  4. Meine Eltern wollen mich besuchen kommen.

  5. Gudrun schwimmt ausgezeichnet und hat auch schon viele Wettbewerbe gewonnen.

3.2.2. Die Kürzung

Durch die Kürzung, insbesondere durch Abkürzungen, sparen wir Platz und Zeit. Bei der Kürzung entsteht kein neues Wort. Es wird keine neue Bedeutung definiert, sondern eine kürzere Variante, eine „lexikalische Variation“ (Bellmann in Fleischer / Barz 1995, 52) eines Wortes oder einer Wortgruppe. Daher gehört die Kürzung nicht direkt zur Wortbildung, sondern zu Techniken des Worterwerbs. Dazu einige Beispiele:

  • Zentralomnibusbahnhof / Zentraler Omnibusbahnhof > ZOB

  • Hauptbahnhof > Hbf.

  • Omnibus > Bus.

Viele Abkürzungen und Kurzwörter sind lexikalisiert. Abkürzungen können wir auch selber bilden, wenn wir sie brauchen – sie müssen nur verständlich sein.

Einige AutorInnen ordnen die Kürzung in die Wortbildung ein, allerdings mit einer Bemerkung, dass die Kürzung von anderen Wortbildungsarten abzuheben sei (Fleischer / Barz 1995). Die anderen meinen, dass die Kürzung eigentlich doch eine Wortbildung sei, weil das auf diese Weise entstandene Wort einen relativ autonomen Status hat; es passiert sogar, dass Sprechende die Kurzform, nicht mehr aber die Langform kennen (Altmann / Kemmerling, 2005).

Abkürzungen

Abkürzungen bestehen aus

  • Initialen, dann nennen wir sie Initialwörter: ZOB, PC, www, ICE, VIP, MfG (Mit freundlichen Grüssen);

  • Silben, dann sind es die Silbenwörter: Josta (Johannisbeeren + Stachelbeeren), Stura (Studentenrat), Kripo (Kriminalpolizei), Kita (Kindertagesstätte – Kindergarten);

  • Kombinationen von Silben, Buchstaben, Buchstabengruppen: Azubi (Auszubildende = Menschen, die Weiterbildungskurse machen), Hbf., PEKiP (Prager Eltern-Kinder- Programm – s. Info in der Wikipedia).

Foto: JV, Hameln 2009. Ein Caféhaus (Honig, Kaffee, Marmelade und Tee).

Zur Verwendung von Abkürzungen

Die Abkürzung ist eine nützliche Technik, die Zeit und Platz spart. Deswegen werden stabile Wortgruppen abgekürzt: zum Beispiel, und so weiter, zur Zeit > z. B., usw. Solche Abkürzungen sind in Abkürzungswörterbüchern zu finden, wie im GWDaF (2008):

Häufig benutzte Abkürzungen (Groβwörterbuch Langescheidt, 2008)

AB Anrufbeantworter

Abo Abonnement

ADAC Allgemeiner Deutscher Automobilclub

AIDS Immunschwächekrankheit (Acquired Immune Deficiency Syndrome)

EU Europäische Union

Info(s) Information(en)

KO kaputt, erschöpft (ursprünglich Knockout beim Boxen)

LKW Lastkraftwagen

O-Saft Orangensaft

PC Computer

PKW Personenkraftwagen

Profi Professioneller, Gegenteil von Amateur

Promi Prominenter

SMS kurze Nachricht am Handy (aus dem Englischen: Short Message Service)

TG Tiefgarage

TÜV Technischer Überwachungsverein

Uni Universität

WG Wohngemeinschaft

Die Abkürzungen, die in Texten vorkommen, aber aber nicht im Wörterbuch stehen; nennen wir usuelle oder textuelle Abkürzungen. Manchmal zeigen Autor/innen von Texten eine richtige Kreativität dabei, z. B. bei Kontaktanzeigen. Da die Abkürzungen bzw. Kurzwörter (s. u.) Platz sparen, werden sie besonders oft in der Werbung, in Kochrezepten, in Anzeigen etc. verwendet:11

  • eine Reise mit 3 ÜN im Bio-Gesundheitshotel, in einem DZ mit Du/WC;

  • eine Gesichtsmaske aus 2 TL Apfelessig;

  • ein mittelgr. Mischling, für den ein neues Zuhause gesucht wird;

  • ein massiver handverarbeiteter Stuhl zum Verkaufen um 20 000,- ohne MWS;

  • ein attraktiver Witwer, 59 J., 1,67 m, NR, Kfm vom Beruf sucht mittels einer Annonce in der F. A. Z. Liebe, Zärtlichkeit u. Glück, am liebsten in Ffm und Umgebung.

Zu Initialwörtern werden Namen von Parteien gekürzt. Die Anhänger und Mitglieder der Parteien werden mit dem Suffix -ler/-in bezeichnet: „Meine Bekannte war immer eine begeisterte SPDlerin.“

Die Aussprache der Abkürzungen ist unterschiedlich. Manche werden buchstabiert oder in Silben ausgesprochen (PKW, SMS), andere werden als Wörter ausgesprochen (TÜV, Kita). In ganz spezifischen Fällen entstehen Verben, deren Stamm eine Abkürzung ist: „In Tschechien wird mehr gesimst (von SMS, Anm. JV) als telefoniert“.

Kurzwörter

Anders als Abkürzungen werden Kurzwörter gebildet. Es sind Wortbildungsprodukte, bei denen

  • von dem Ausgangswort der Anfang oder, anders genannt, „der Kopf“ verwendet wird: Euro, euro- (aus Europa / europäisch), Abi (statt Abitur), Foto(grafie), Mathe(matik), Auto(mobil), Uni(versität), Krimi (Kriminalfilm, -roman, -geschichte, Kriminelle) – dann heissen sie Kopfwörter;

  • von denen „der Schwanz“ geblieben ist: Matik (aus Mathematik), Schirm (Regenschirm), Cello (Violoncello): dann sind es Schwanzwörter;

  • von denen der Anfang und das Ende ein Wort bildet: Autosport (Automobilsport), Krad (Kraftrad). Auf diese Weise werden vor allem Wortgruppen gekürzt: Endorphin (endogenes Morphin), Pizzafahrerin (Pizza-Ausfahrerin). Solche Wörter können wir dann als Kopfschwanzwörter bezeichnen.

Die Kopf- und Schwanzwörter erscheinen häufig mit dem Suffix –i. Besonders beliebt ist das Suffix –i

  • bei Vornamen: Steffi (Stefanie), Wolfi (Wofgang), Tomi (Thomas), Tini (Christine), Kati (Katharina), Trudi (Gertrude), aber auch bei Familiennamen Obi (Obama);

  • bei vielen anderen Kurzwörtern und in der Jugendsprache: Profi (Professor/in), Mutti, Vati, Pulli, Uni, Alki (Alkoholiker), Trabbi (Trabant).

Ötzi ist wohl die älteste Mumie der Welt. Den von 5000 Jahren durch Pfeilschüsse erschossenen Mann hat ein Ehepaar aus Nürnberg im Jahre 1991 in Ötztal (Österreich) gefunden. (Bild aus www.huehueteotl.wordpress.com, Juni 2010)

Eine Abkürzung oder ein Kurzwort kann als Bestimmungs- oder Grundwort eines Kompositums stehen: UV-Filter, Farb-TV, Eurobank, iPhon, Foto-Album, ZOB-Reisebüro, Busreise, Berlin-Hbf. Es sind verschiedene Kombinationen aus Buchstaben, Silben und Zahlen möglich: MP3.

Aufgabe 1

Versuchen Sie bitte die Abkürzungen im Text über Rostock und die in diesem Kapitel verwendeten Abkürzungen zu entziffern.

Ansichtskarte ohne Datierung, Herst. u. Verlag Schöning & Co. + Gebr. Schmidt.

Aufgabe 2

Bestimmen Sie die Art der Kürzung:12

  1. Michael Sergejewitsch Gorbatschow – Gorbi wird er liebevoll im Westen genannt.

  2. Im Prinzip kann man mit Josta machen, was man mit Stachelbeeren oder Johannisbeeren auch machen würde: Marmelade etc.

  3. Oft fragen sich Eltern, ob ihr Baby Bio-Nahrung bekommen soll. Aber ist BioEssen wirklich besser?

  4. (Werbung) Einfacher SMS und E-Mail Versand an Freunde Plaudern mit Freunden!

  5. Sie können mir Ihre Arbeiten als Word-Datei auf CD, DVD oder sogar noch auf 3,5”-Diskette oder ZIP100Disk schicken.

  6. Derzeit sind über 470 Millionen Nutzer bei ICQ registriert.

  7. (Werbung) PlasmaTV. HD Ready, 100 Hz Technik, 107 cm sichtbares Bild

  8. Das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) ist ein Warenhaus in Berlin mit einem gehobenen Sortiment und Luxuswaren, das von Adolf Jandorf gegründet und am 27. März 1907 eröffnet wurde.

  9. Meine Ex-Frau ist gerade in Long Island, in meinem Ex-Haus mit meinem ExHund.

  10. Eine liebevolle Lady, 1,66 m / 69 kg, NRin mit natürl. Charme, wartet auf einen Mann aus der A-Liga, NR, zum gegenseitigen Verwöhnen.

Aufgabe 3

Wikipedia erklärt die Bezeichnung von weltbekannten Gummibärchen: sie „leitet sich aus den beiden ersten Buchstaben seines Vor- und Nachnamens sowie den ersten beiden Buchstaben des Standortes her (Hans Riegel, Bonn).“13

Repro: www.google.com, April 2010.

Stellen Sie sich nun vor: Sie gründen eine Firma und wollen sie nach diesem Wortbildungsmuster benennen. Wie klingt die aus Ihrem Vor-, Nachnamen und dem Namen ihres Geburtsortes gebildete Bezeichnung der Firma? Wie würde die Firma Ihres Freunds / Ihrer Freundin heissen? Schreiben Sie beide Namen auf.

Aufgabe 4

Lesen Sie die Kontaktanzeige ohne Kürzung vor:

Ich, 39/186, NR/NT, schlk., mit dkl.-br. Haaren, viels. interess., jedes 2. WE mit Kids, suche eine pass., attr., schlk., ehrl., berufst., lebensl. Frau zw. 30-39 J. Freue mich auf Deine Antw.!

Aufgabe 5

Lesen Sie den Text und schätzen zuerst einmal ein, welche Komposita mit dem Kopfwort Tram– lexikalisiert sind. Überprüfen Sie dann Ihre Einschätzung im Wörterbuch.

(dpa) Autounfall legt Tramverkehr lahm. Ein Autounfall im Münchner Univiertel hat den Trambahnverkehr vorübergehend lahmgelegt. Laut Polizei missachtete ein 35-Jähriger eine rote Ampel und stieβ auf einer Kreuzung mit einem Fahrzeug zusammen. Sein Wagen drehte sich mehrmals um die eigene Achse. Der Unfall ereignete sich auf den Tramgleisen – diese mussten für eine halbe Stunde gesperrt werden. An den Autos entstand Totalschaden in Höhe von 55 000 Euro. (In Augsburger Allgemeine, 5. 5. 2010.)

Haben Sie noch mehrere Kopfwörter (auch als Bestimmungswörter in Zusammensetzungen) im Text gefunden?

Aufgabe 7

Eine berühmte Schauspielerin heisst Marlene Dietrich (1901-1992). Ursprünglich hatte sie zwei Vornamen: Maria Magdalene; daher wird ihr Name auch [Marlene] ausgesprochen. Wie wurde ihr verkürzter Vorname gebildet?

Repro: www.google.com, 30. 7. 2010.

Aufgabe 7

Abkürzungsverzeichnisse in Wörterbüchern sind für die breite Öffentlichkeit bestimmt. So kommen sie in der Regel der rezeptiven Wortbildungskompetenz entgegen. Deswegen erscheinen auf den Listen nicht nur Abkürzungen, sondern auch Kurzwörter. Schauen Sie sich das oben angeführte Abkürzungsverzeichnis des GWDaF an: wo ist das hier der Fall?

3.2.3. Die Entlehnung

Der Wortschatz des Deutschen wird um neue Wörter und ihre Elemente (z. B. fremde Präfixe und Suffixe wie ex-, -ismus) bereichert. Der Ausmaβ der Entlehung hing immer von dem kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Einfluss des jeweiligen Landes ab. Heutzutage ist der ökonomische und politische Einfluss der englischsprachigen Länder so stark, dass die meisten Begriffe aus dem Englischen kommen; in den Kritiken wird das Deutsche als Denglisch bezeichnet.

Entlehnungen haben eine lange Geschichte; manche Wörter sind sogar im 9. Jahrhundert (z. B. Natur) entlehnt worden. Schülerduden Wortgeschichte (1987, 18) fasst in einer Tabelle zusammen, welche Sprachen in welchen Jahrhunderten das Deutsche beeinflusst haben:

Zeit

Historischer Hintergrund

Sprache

6.-9. Jh.

Zeit der Christianisierung

Latein, Französisch

12.-14. Jh.

Höfische Zeit, Rittertum

Französisch

15.-16. Jh.

Zeitalter des Humanismus

Latein, Griechisch, Italienisch

16.-17. Jh.

30-jähriger Krieg, Alamodezeit

Französisch, Italienisch

19.-20. Jh.

Industrielle Revolution, Arbeiterbewegung, technischer Fortschritt, 1. u. 2. Weltkrieg

Englisch, Französisch, Fremdwörter mit lateinischen und griechischen Wortstämmen (Internationalismen)

nach 1945

Nachkriegszeit

Englisch (Amerikanisch)

Auf einigen Seiten führt Schülerduden Wortgeschichte (1987, 20-24) Beispiele für Entlehnungen (Lehnwörter) aus verschiedenen Fremdsprachen an:

Aus dem Französischen kamen Wörter ins Deutsche wie Abenteuer, Adresse, Atelier, Attacke, Attentat, Ball, barock, beton, blond, Büfett, Chance, Coupon, Cousin, Creme, Dame, Debatte, delikat, Dessert, Detail, Diagnose (ins Französische aus dem Altgriechischen), Droge, Dusche, etablieren, Etage, extravagant, exzellent, Favorit, Figur, Frisur, Front, Garage, Grippe, Hasard, Hotel, Industrie, Intrige, Kabel, Kabinett, Karosserie, Karte, Kompliment, kosmetisch, Kurier, Lektüre, liberal, Limonade, Lyirk, manuell, markieren, Massaker, Medaille, Menü, montieren, Niveau, Omelett, Palais, Parfüm, Park, Partei, passieren, plädieren, Plan, Platz, Pointe, Polemik, Porträt, Profit, Quartier, Saison, seriös, Signal, Situation, solide, sosal, Tablette, Tanz, tanzen, Toilette, tolerant, Vase, Visage usw.

Aus dem Italienischen kamen Wörter wie adagio, allegro, Ballett, Bank, basta, Bilanz, Cappucino, Dilettant, Espresso, Faschismus, Fiasko, Finale, Firma, frankieren, Galeri, Ghetto, improvisieren, Kanal, Kanone, Kapital, Kartoffel, Kasino, Kasse, Konto, Kredit, Lagune, Makkaroni, Marzipan, Modell, moderato, netto, Null, Oper, Parmesan, Paste, piano, Pizza, Porzellan, Post, prima, Quartett, Rabatt, Ravioli, Risiko, Salami, Salat, Saldo, Salto, Solo, Sonate, Spaghetti, spazieren, Studio, Tempo, Tenor, Tombola, Transit, Valuta, Zitrone und viele andere.

Aus den slawischen Sprachen kamen Wörter wie Grenze, Gurke, Kren, Pistole, Roboter, Stieglitz (stehlík), Wodka, Zar, Zeisig (čížek) und andere.

Aus den asiatischen Sprachen wie Arabisch, Chinesisch, Japanisch, Türkisch u.a. kamen ins Deutsche Wörter wie Alkohol, Benzin, Kaffee, Karaffe, Koran, Sofa, Tarif, Zucker, Karawane, Joghurt, Spinat, Kaviar, Kiosk, Ingwer, Pfeffer, Shampoo, Bambus, Kakadu, Tee, Wok, Bonsai, Judo, Kimono, Soja und andere.

Aus amerikanischen Indianersprachen kamen Wörter wie Alpaka, Chinin, jaguár, Kakao, Kanu, Kautschuk, Papaya, Tabak, Tomate, Mustang, Tomahawk, Totem.

Eskimo-Wörter sind z. B. Anorak, Iglu, Kajak, Parka.

Aus australischen und polynesischen Sprachen kamen Wörter wie Bumerang, Känguruh, Kiwi, tabu, tätowieren, Ukulele.

Bei vielen Wörtern kann ihre Herkunftssprache erraten werden: Ski (Norwegisch), Sauna (Finnisch), Gulasch (Ungarisch).

Lehnwort versus Fremdwort

Bei Wörtern wie schreiben (scribere, Lat.) oder Wein (vinum, Lat.) denken wir nicht mehr daran, dass sie Lehnwörter sind. Sie haben sich im Deutschen völlig assimiliert. Bei anderen Wörtern (wie Tomate) fällt ihre fremde Herkunft zwar auf, aber sie haben sich der deutschen Sprache (Aussprache, Grammatik) längst angepasst. Wörter, die ihre fremde Aussprache, fremden Akzent beibehalten haben oder sich den deutschen Grammatikregeln nicht angepasst haben (Orange), gehören zu Fremdwörtern. Sie stehen in Stanndard- sowie in Fremdwörterbüchern mit Angaben über die Aussprache, Grammatik und Bedeutung. Fremdwörter können auch aus Abkürzungen und Kurzwörtern bestehen: www, E-Mail usw.

Die Entscheidung, welches Wort ein Lehnwort und welches ein Fremdwort ist, ist allerdings kompliziert. Es gibt verschiedene Meinungen dazu, die Terminologie sowie Kriterien uneinheitlich (mehr dazu in Buβmann 1990, 213-214 und 253). Eher als eine wissenschaftlich präzise Unterscheidung brauchen DaF-Lernende ein Gefühl dafür, welches Wort ein Fremdwort sein könnte. Für ein Fremdwort sind typisch:

  • der Akzent nicht auf der ersten Silbe, im Unterschied zu den meisten deutschen Wörtern (mit Ausnahme von denen mit unbetonten Präfixen be-, emp-, ent-, er-, ge-, ver-, zer);

  • oder/und eine fremde Aussprache;

  • oder/und eine fremde Orthographie;

  • oder/und (bei deklinierbaren Wortarten) eine fremde Deklination, vor allem die s-Deklination oder eine für das deutsche unübliche Bildung der Pluralform;

  • oder/und ist das Wort bzw. der Wortstamm aus anderen Sprachen bekannt (ein Internationalismus).

Oder/und bedeutet, dass nicht immer alle Merkmale auf einmal vorkommen; das zeigt eine kleine Probe aus dem GrW Langenscheidt 2008:

  • Fair·ness [] die; ; nur Sg; ein faires Verhalten, besonders im Spiel

  • Ka·ta·stro·phe [-] die; -, -n; ein sehr großes Unglück, ein (Natur)Ereignis mit schlimmen Folgen: Der Wegfall des Exports wäre eine Katastrophe für das Unternehmen

  • Sham·poo [] das; -s; -s; ein meist flüssiges Mittel, mit dem man sich die Haare wäscht: ein Shampoo gegen fettige Haare, gegen Schuppen

Aufgabe 1

Suchen Sie bitte in der Fachliteratur und/oder im Internet, wie die Begriffe Erbwort, Lehnwort, Fremdwort und Internationalismus definiert werden.

Aufgabe 2

Finden Sie Entlehnungen bzw. Fremdwörter auf dem Foto? (www.google.com, Mai 2010)

Aufgabe 3

Lesen Sie bitte den Text. Unterstreichen Sie dabei Erbwörter, Lehnwörter, Fremdwörter und Internationalismen.

Bitte helft mir … bin down ;(

von: loewin1714

Oh man… ich weiss einfach nicht was ich machen soll. ich bin schon seit einem dreiviertel jahr in einen typen verliebt (…).
die sache ist aber die, dass ich ganz klar weiss, das er interesse hat.
ich habe die ganze zeit immer gehofft, er wuerde mal einen schritt auf mich zu kommen und hab ihn auch schon oft aufmunternd zugelaechelt. aber er macht einfach NICHTS!!!
ich bin mit meinem latein am ende, weil ich es einfach nicht verstehe. ER sieht echt hammer aus (also ich denk mal nicht dass er komplexe hat) und er hat sicherlich schon gemerkt, dass er mich nicht kalt laesst.
aber warum??? (…) ist es gerade weil er gut aussieht? (…)

ich habe natuerlich schon mit dem gedanken gespielt ihn selbst anzusprechen, aber (…) ich wuerde mir komisch vorkommen, wenn ich den kerl „angraben muesste“. ich hab ehrlich gesagt auch immer nur davon gehoert, dass maedels von ihren zunkuenftigen freunden angesprochen wurden und nicht umgekehrt. ich meine es ist einfach doch so, dass der kerl den ersten schritt machen sollte. (…)
naja aber ich muss aber auch staendig and diese geschichten denken, wo sich mann und frau nach 10 jahren aufm klassentreffen wieder sehen und dann merken, dass sie beide jahrelang ineinander verliebt waren und einfach nichts unternommen haben aus angst vor abweisung.
(…) hat jemand trotzdem einen guten rat auf lager? waere unheimlich dankbar

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1 Mittelstufe, S. 170, gekürzt.

2 Mittelstufe, S. 217, gekürzt.

3 Mittelstufe, S. 128, gekürzt.

4 Ebda, S. 129.

5 In www.clickpix.de, 9. 6. 2009. Gekürzt.

6 In www.heinrich-tischner.de, 10. 10. 2010.

7 Beispiele 1-8 in www.google.com, 13. 11. 2009. Hilfe bei Wossi: www.wikipedia.org.

8 Artikelüberschrift in Augsburger Allgemeine, 8. 7. 2010.

9 In FAZ 26. 12. 2010.

10 Hilfe: Joachim Gauck im Internet.

11 In diesem Absatz wurden mit Absicht besonders viele Abkürzungen verwendet. S. dazu die Aufgabe 1.

12 In www.google.com und www.wikipedia.org, April 2010.

13 In www.wikipedia.org, April 2010.

14 Nickname geändert, Text gekürzt und leicht adaptiert, August 2011.